„Mao in Altötting und Waldkraiburg“

Aus der Einleitung zu meinem neuen Buch „Mao in Altötting und Waldkraiburg“ Viele Menschen wurden in den siebziger Jahren in maoistischen K- Gruppen politisch sozialisiert. Nach der Forschung durchliefen rund 100.000 Personen in der BRD solche Gruppen. Besonders stark waren außerhalb der Großstädte in Bayern, solche Organisationen in den tiefschwarzen Landkreisen Altötting und Mühldorf. Diese Geschichte in der ich persönlich stark involviert war wird aufarbeitet. Geschichte ist geronnene Erfahrung und darf nicht vergessen werden. Es geht um die SIK ( Sozialistisches Initiativkomitee Altötting- Mühldorf- Wasserburg), die KPD/ML und die „Arbeiter Basis Gruppen“ später „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“, sowie die nichtmaoistische DKP im ländlichen Raum. Das Buch behandelt die Gründung des Habermas Lesekreises in Altötting im Jahr 1968. Es geht um die Auseinandersetzung bezüglich des Jugendzentrums am Ort. Dann folgte 1972 die Spaltung der SIK, es entstanden die „ Arbeiter Basis Gruppen“ in Altötting. Die KPD/ML sorgte Anfang der siebziger Jahre für viel Aufsehen in Burghausen und insbesondere in Töging am Inn. Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD war mit seiner Zeitung „ Der Rote Landbote“ besonders in Waldkraiburg und in Altötting aktiv. Personen welche damals öffentlich auftraten und somit als Personen der Zeitgeschichte gelten werden mit ihren Klarnamen benannt. Andere Namen von Aktivisten wurden abgeändert. Auch wenn die Gruppen aus heutiger Sicht klein erscheinen mögen erreichten Sie in den genannten Landkreisen im Lauf der Jahre hunderte von vor allem jugendliche Menschen welche kürzere oder längere Zeit in einer oder mehreren der genannten Gruppen aktiv waren. Die Publikationen vor allem des Arbeiterbundes hatten durchaus Einfluss in bestimmten Betrieben etwa dem Werk Gendorf in Burgkirchen, oder der WASAG Chemie in Aschau am Inn sowie dem Betriebswerk der DB in Mühldorf am Inn. Die DKP Zeitung „Im Chemie Dreieck“ brachte den einen oder anderen Kommunalpolitiker in Waldkraiburg und Burghausen ins schwitzen. Ähnliches gilt für den „ Roten Landboten“ des Arbeiterbundes in Altötting und der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg. Bekannt wie bunte Hunde waren damals in den beiden Landkreisen der Altkommunist Georg Kellner, ( DKP) aus Burghausen, Harald Haugwitz, wohnhaft in Neuötting ( Arbeiterbund) Dietmar von der Au, aus Altötting ( SIK) und meine Person vor allem in Waldkraiburg ( DKP dann Arbeiterbund). Die Jusos waren damals auch im südostoberbayerischen Chemiedreieck ziemlich weit links. In Altötting wurden sie von Walter Roßdeutscher repräsentiert. In Burghausen von dem jetzigen SPD Bürgermeister Hans Steindl. Er galt damals als „ roter Rebell“ und bezichtigte auf einer DKP Veranstaltung in Burghausen, die DKP zu weit „ rechts zu stehen“.

Sinn und Zweck

Das vorliegende Büchlein stellt eine Mischung aus persönlicher Erinnerung und realen zeitgeschichtlichen Ereignissen dar. Es soll gezeigt werden, dass es in dem Marinewallfahrtsort Altötting nicht nur bescheidene Arbeiter im Weingarten des Herrn gab, sondern auch Juden, Antifaschisten und rebellierende Jugendliche im Gefolge der Studentenbewegung von 1968. In der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg hielten nicht nur gestrenge sudetendeutsche Revanchisten Hof, sondern eben so sehr sudetendeutsche Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Auch in Waldkraiburg entwickelten sich ab Anfang der siebziger Jahre oppositionelle kommunistische Gruppen. Natürlich verändert sich manches in der persönlichen Betrachtungsweise im Lauf der Zeit, aber das Ideal einer sozial gerechten Gesellschaft bleibt. Zudem ist jeder Mensch das Produkt seiner Umgebung und seiner Familie. Nach meiner Erfahrung haben ehemalige Freunde von mir in Altötting und Waldkraiburg eine nachhaltige Prägung erhalten. Wenn ich die heute angegrauten „Linksextremisten“ aus Waldkraiburg und Altötting in München treffe, fällt mir immer wieder auf: Keiner dieser linken Rebellen aus Waldkraiburg und Altötting ist politisch nach rechts gegangen. Sie sind in unterschiedlicher Form links geblieben. Offensichtlich hat die katholische Dogmatik aus Altötting in umgekehrter Form eine bestimmte Eigendynamik entwickelt. Auch der Katholizismus enthält soziale Elemente. Bei einigen Menschen führte diese Dynamik zu den Lehren von Karl Marx. Die Härte der Auseinandersetzung in den genannten Orten, härtete ab. Der neoliberale Zeitgeist hat bei Altlinken aus Altötting und Waldkraiburg schlechte Karten.

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Rosa Luxemburg und Kadri Zeka-Notizen

Nach Kadri Zeka ist in Gjilan in Kosova eine Universität benannt. Kadri Zeka war ein linksstehender Revolutionär aus Kosova. Am 17. Januar 1982 wurde Kadri Zeka mit den links- patriotischen Genossen, den Brüdern Jusuf und Bardhosh Gërvalla in Untergruppenbach in der Nähe am Heilbronn von der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA

in einem Wagen erschossen. Die deutsche Presse stellte damals den Mord als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Balkanklans dar. In Wahrheit duldete das ehemalige jugoslawische Regime keine Opposition von links. Das titostische Regime ging besonders gegen die linke Opposition in Kosova vor. Mit den Morden in Untergruppenbach wollten die UDBA die linksdemokratische Opposition aus Kosova in der Emigration ihrer Köpfe berauben. Auf dem Grabstein von Kadri Zeka in Stuttgart stand: „Hier ruht ein Kommunist“. Im Jahr 2007 wurde Kadri Zeka in der Heimat begraben. Er gilt in Kosova zurecht als patriotischer Kämpfer. Verschwiegen wird der Öffentlichkeit jedoch seine marxistische Gesinnung.Einige Monate vor seiner Ermordung traf ich Kadri Zeka in einem Ort in der Schweiz. Das Interview, welches ich mit ihm machte, ist leider in den Archiven verschwunden. Allerdings bewahrte ich einige Notizen auf. Besonders interessant sind seine damaligen Aussagen zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ihre Ermordung fand vor hundert Jahren in Berlin statt.


Kadri Zeka über Rosa Luxemburg

Kadri Zeka im Herbst 1981 über Rosa Luxemburg: „Das war eine großartige Frau und Revolutionärin. Stets blieb Rosa ihren Prinzipien treu. Sie verteidigte und erweiterte den Marxismus. Ich habe fast alles von Rosa Luxemburg gelesen. Sie machte keinen Kompromiss mit der bürgerlichen Gesellschaft. Rosa Luxemburg steht für die Kombination von Freiheit und sozialer Gleichheit. Ohne Freiheit hat die soziale Gleichheit keinen Wert. Ohne soziale Gleichheit hat die Freiheit keinen Wert.   Diese Worte von Kadri Zeka Sind aktueller den je. Sie müssen auch der Jugend und der Arbeiterklasse in Kosova bekannt gemacht werden.

Bild Kadri Zeka 

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Rezension zum  Buch “ Verrat in München und Burghausen“ von Oliver Stey

Rezension zum  Buch “ Verrat in München und Burghausen“ von Oliver Stey auf Amazon -Das kürzlich erschienene Buch „Verrat in München und Burghausen“ des Autors Max Brym ist eine gelungene Melange aus historischer Wirklichkeit und Fiktion. Die Geschichte erzählt das Leben des erfundenen Rechtsanwalt Hans Faber der als Mitglied des KPD in der NSDAP als Abwehrspezialist arbeitet. Die Orte der Handlung sind zumeist im Ober- und Niederbayerischen Raum angesiedelt den der Schreiber Max Brym als gebürtiger Altöttinger wie seine Westentasche kennt. Reale Begebenheiten aus dem Beginn der faschistischen Machtergreifung wie der Ausschaltung parteiinterner Gegner Adolf Hitlers werden gelungen mit der Liebesbeziehung von Faber und seiner Lebensgefährtin „Lore“ verwoben die für ihn als Sekretärin bei Ernst Röhm dem damaligen SA-Führer arbeitet. Neben der Altöttinger Familie von Faber treten viele Persönlichkeiten der damaligen Zeit wie Alfred Rosenberg und Hans Frank auf der einen, sowie Hans Kippenberger bzw. Hans Beimler auf der anderen Seite der politischen Bühne im Fokus der Handlung hervor. Insgesamt ein sehr lesenswertes Büchlein, das als mehrteilige Fortsetzungsgeschichte angelegt ist und den Leser gespannt auf den zweiten Band warten lässt. Sehr empfehlenswert. http://www.bookra-verlag.de/b17.html-

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Ein böser faschistischer Brief aus Waldkraiburg

Anonym an mich „Hallo Max Brym, hoffentlich hast du mitbekommen, dass die patriotische AFD in Waldkraiburg 20% der Stimmen erhalten hat. Deine ganzen Eimischungsversuche in die Waldkraiburger politische Szene sind zwecklos. In Waldkraiburg sind die Linken marginalisiert. Da kannst du noch so viele Bücher schreiben. Auch deine Reden am 1. Mai in Waldkraiburg sind zwecklos. Aber du alter Linker wirst das nicht begreifen. Mach nur weiter so du Bolschewist.

Antwort- In der Tat die AFD hat 20% der Stimmen in Waldkraiburg. Außer rassistischer Hetze hat diese Partei nichts zu bieten. Die AFD ist nicht für das Menschenrecht auf bezahlbares Wohnen. Die AFD ist nicht für eine gesetzliche Mindestrente, wie in Österreich von 1000 Euro. Die AFD ist in allen sozialen Fragen auf der Seite des Kapitals und nicht auf der Seite der Arbeiter. Sie hetzt gegen Migranten und Linke. Auf der AFD Webseite für den Landkreis Altötting mutierte ich zu meiner Überraschung zum Inspirator der dortigen SPD Kandidatin. Blöder geht es nicht mehr. PS. Mein neues Buch „ Verrat in München und Burghausen“ verkauft sich ziemlich gut in Waldkraiburg. Es geht um die dreißiger Jahre auch in den Landkreisen Mühldorf und Altötting. Das Buch kann bestellt werden unter http://www.bookra-verlag.de/b17.html Tot dem Faschismus Max Brym

Foto Max Brym

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Rezension: Lebendige Geschichte- Zum Buch „Verrat in München und Burghausen“

 

Dokumentation

 

In dem Buch geht es speziell um den Widerstand gegen den Faschismus besonders in Bayern Der Autor hat die Fähigkeit reale Geschichte ungeheuer spannend und Faktenreich darzustellen. Das Buch welches gestern im „Bookra Verlag Leipzig“ erschien hab ich auf einen Sitz in der Nacht gelesen. Sein zentraler Held – Hans Faber- ist erfunden. Alle anderen Personen sind real. Max Brym erzählt warum der SA Aufmarsch am 30 Januar 1933 in München ausfiel. Seine zentralen Helden sind Personen wie Hans Beimler, Franz Stenzer, Wilhelm Olschewski und andere Arbeiterfunktionäre in München. Dargestellt wird die schändliche Kapitulation der SPD im Deutschland und in Bayern. Die damaligen Fehler der KPD werden breit beschrieben. Die Geschichte wird heruntergebrochen auch auf viele Kleinstädte in Oberbayern. In Burghausen waren die kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter kampfbereit. Örtliche Funktionäre wie Heinrich Breu aus Burghausen Simon Vorburger, Ludwig Lankes ebenfalls aus Burghausen warteten auf den Auftrag, ihre illegalen Waffenlager zu öffnen. Auch der Reichsbanner unter Schenck aus Burghausen wollte kämpfen. Aber die Order kam nicht. Anschließend begann der mühsame Weg des illegalen Widerstandes. Besonders gewürdigt wird Herrman Frieb aus München, welcher in der Gruppe „ Neu Beginnen“ arbeitet. Über diese linke Abspaltung der SPD, welche zusammen mit oppositionellen Kommunisten arbeitete erfuhr ich zum ersten mal etwas in dem Buch. Hermann Frieb baute in München, die aktivste Widerstandsbewegung im süddeutschen Raum auf. Nach ihm ist in München eine Realschule am Hohenzollernplatz benannt. Aber die Website der Schule gibt wenig her über den Namenspatron. Die KPD leistete Widerstand, aber nach dem 9. März wurde die Partei in Bayern weitgehend zerschlagen. Von 20.000 Mitgliedern der KPD 1933 in Bayern landeten knapp 5.000 für kürzere oder längere Zeit im Gefängnis, oder im KZ. In einigen Fällen gelang es der GESTAPO einzelne Leute als Agenten anzuwerben. Besonders intensiv beschäftigt sich der Autor mit dem Agenten Max Troll aus Giesing -Parteinahme Theo- welcher Ende 1935 an die Spitze der KPD in Bayern gelangte. Damit wurde der Widerstand für einige Zeit direkt von der Gestapo geleitet. Anschließend im Frühsommer 1936 wurde de facto die KPD in Südbayern komplett von den Nazis zerschlagen.   Der Held des Romans welcher für den Abwehrapparat der KPD tätig ist warnt in dem Roman längere Zeit vor „Theo“. Anschaulich wird die Rolle der Industrie vor allem in Bayern dargestellt. Die „Wacker Chemie“ beispielsweise in Burghausen steht hinter ihrem Ingenieur dem SS Führer Dr. Zabel. Dieser bekämpft nicht nur die Kommunisten, sondern auch den „ Lumpenproletarier „ Ludwig Malcomeß. Letzterer war der erste NSDAP Kreisleiter in Altötting. Ein typischer SA Rabauke welcher nützlich war im Kampf gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, dann aber den Industriebossen wegen seiner Eigenmächtigkeiten im Wege stand. Damit erklärt Max Brym viele Ursachen des sogenannten Röhm Putsches. Über die Liquidierung der SA Führung wird direkt im Roman berichtet. Die Freundin des Romanhelden arbeitet als Sekretärin bei Röhm für die KPD. Im Roman tauchen alle Nazigrößen aus München bis hin zu Hitler auf. Der Held verkehrte im Parteiauftrag der KP mit sämtlichen Naziführern in München. Darunter sind die späteren Kriegsverbrecher Alfred Rosenberg und Hans Frank. Zudem verkehrt Hans Faber mit den Leibfotografen Hitlers, Hoffmann aus der Schellingstraße in München. Gezeigt wird auch die widerliche Gestalt Christian Weber, sowie der korrupte Hermann Esser. Immer wieder verzweifelt der Held des Romans an der Linie der KPD. Dennoch ist er persönlich mit Hans Beimler und Ludwig Ficker befreundet. Oft muss der Romanheld zu den verschiedenen Leitungsinstanzen der KPD in der Emigration. Dabei trifft er Herbert Wehner, Walter Ulbricht aber auch die späteren Opfer des Stalinismus Hermann Schubert, Fritz Schulte und natürlich den Chef des KPD Abwehrapparates Hans Kippenberger. Stets ist der Held geradezu verzweifelt über die Stimmung in weiten Teilen der Emigration Seine Berichte speziell über die Situation in Bayern werden weitgehend ignoriert.

 

Max Brym hat ein spannendes zeitgeschichtliches Buch geschrieben. Vor allem seine Fähigkeit lokale oder regionale Details mit der Gesamtsituation zu verbinden ist erstaunlich. Unbedingt lesen- sehr aktuell- aus der Geschichte muss gelernt werden.

Bestellungen über jede Buchhandlung ,oder direkt beim Verlag.

 

Agron Sadiku

 

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Bild Max Brym

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Leseauszug aus „Verrat in München und Burghausen“ Roman von Max Brym

 

Fritz Schwaegerl im Unterbräu

Der Unterbräu war für die Verhältnisse in dem kleinen Nest ziemlich gut gefüllt. Eine nette rustikale Bedienung fragte die Gesellschaft, was es denn sein dürfte. Hans Faber bestellte für alle den weit- hin bekannten Schweinebraten. Dann ging die Türe auf, eine Abordnung örtlicher Nazis erschien in der Gaststätte. Angeführt wurde die uniformierte Bande von dem jungen Kreisleiter der Nazipartei, Fritz Schwaegerl aus Mühldorf am Inn. In seinem Gefolge befanden sich dörfliche Kleinbürger, der Ortsgruppenleiter Diener, sowie der SA-Führer Thalhammer. Fritz Schwaegerl bewegte sich sofort auf den bekannten „Parteigenossen“ aus München zu. Der junge Kreisleiter versuchte lässig zu wirken und hatte eine Zigarre im Maul. Ungefragt setzte sich die Nazibande an den Tisch, um mit dem geehrten Gast und seiner charmanten Begleitung zu quatschen. Immer wieder betonte Schwaegerl,

 

wie wichtig es sei „mit der „Kommune und der schwarzen Bande vor allen Dingen im Kreis Altötting abzurechnen“. Hans Faber stimmte zu und berichtete von der positiven Stimmung welche in München in der Partei herrschte. Etwas anzüglich versuchte der junge Kreisleiter mit Lore ins Gespräch zu kommen. Der Schuster Thalhammer stierte die junge hübsche Frau aus München lüstern an. Es sprach aber nur der junge Nazibonze aus Mühldorf am Inn. Schwaegerl sagte direkt: „Ich will den Kommunistenführer von hier, den Josef Wimmer, bald hinter schwedischen Gardinen sehen, was meinst du wie lange das noch dauert?“ Faber antwortete ausweichend, er verwies auf die geniale Politik des Führers, welcher solche Gestalten bald aus dem Verkehr ziehen würde. Zufrieden nickte der Kreisleiter samt Anhang. Dann kam das Gespräch noch auf den jüdischen Pferdehändler Siegfried Hellmann aus Mühldorf. Auch ihn wollte der „strebsame“ Kreisleiter bald im Gefängnis haben. „Was sind das nur für verdorbene Kleinbürger“, dachte Faber, dabei hatte er besonders die beiden Händler in Schuh und Elektro im Visier. Nach einiger Zeit entfernte sich die Nazibande, dabei vergaßen sie jedoch nicht auf die „arische“ Schönheit Lores ausgiebig hinzuweisen. Nach dem Abzug der Bande kam endlich der Schweinebraten, der nicht mehr so gut schmeckte wie normalerweise. Josef Schmidt sagte den gan- zen Abend über kaum ein Wort. Später in der

 

Wohnung meinte er nur: „Das sind keine guten Menschen, weil sie keine guten Katholiken sind“. Anschließend gingen alle schlafen. Am nächsten Tag erwartete Hans Faber seinen Besuch aus München. Aus dem Zug in Kraiburg stieg Wilhelm Olschewski, ein wichtiger Mitarbeiter Fabers im Abwehrapparat, zudem ein wichtiger Funktionär aus dem so genannten „Aufbruchkreis“, welcher versuchte, ehemalige Nationalisten um den Kommunismus herum zu sammeln. Hans Faber holte Wilhelm Olschewski mit dem Auto seines Schwa- gers am Bahnhof ab. Die beiden Funktionäre des Abwehrapparates begrüßten sich herzlich. Olschewski bedauerte nur, dass er „hier in die bayerische Prärie kommen müsse um mit Faber zu sprechen“. Faber lachte, denn Olschewski wohnte gar nicht so weit weg von ihm in München, am Ende der Augustendstraße, Haus Nr. 88.

Pläne am Schlossberg

Nachdem Faber seinen Gast Olschewski bei Josef Schmidt als wichtigen, erholungsbedürftigen älteren Klienten seiner Kanzlei mit dem Namen „Maier“ vorgestellt hatte, marschierten sie auf den Schlossberg. Olschewski genoss, nach dem für ihn etwas mühsamen Aufstieg, den wunder- baren Blick ins Inntal. Auf einer Bank neben der

 

Kapelle am Schlossberg ließen sich die Freunde nieder. Immer wieder fragte Faber nach der Sicherheit der Waffenvorräte und danach, wann es denn endlich losginge. Olschewski gab einen kur- zen Überblick über die illegalen Waffenlager des „Kampfbundes gegen den Faschismus“ in Oberbayern. Besonders stolz verwies Olschewski auf die Waffenvorräte in der Bergarbeiterstadt Penzberg, aber auch in Burghausen, Kolbermoor und in der Nähe von Rosenheim gab es größere, gut getarnte, Waffenlager. Etwas skeptisch äußerte sich Olschewski bezüglich der von Faber immer wieder eingeforderten Aktionen. Nach Olschewski müsse das Signal aus Berlin kommen. Faber wider- sprach dem nicht, dennoch beharrte er auf die Vorbereitung des bewaffneten Widerstandes. „Du bist doch kein Anhänger der Offensivtheorie von 1921“, meinte Olschewski etwas ironisch. „Nein“, antwortete Faber „aber ich kenne die Faschisten. Je mehr wir ihnen Zeit geben, um so fester kön- nen sie sich etablieren, um ihren Schlag gegen uns durchzuführen. Die sozialdemokratischen Arbeiter benötigen den bewaffneten Widerstand, damit sie ihre Unterwerfung unter den Verrat der SPD- und ADGB-Spitze aufgeben. Natürlich ist es ris- kant aber wir verlieren alles wenn wir jetzt nicht kämpfen!“ Olschewski überlegte und machte sich Notizen. Dann berichtete Faber über Internes aus der Naziführung. „Wilhelm, die bereiten einen Schlag, eine Provokation vor. Röhm hat damit im

 

Bratwurstglöckel ziemlich offen geprahlt. Sichert unsere Funktionäre sofort ab und macht die Waffen klar. Es gibt nur den bewaffneten Widerstand jetzt sofort!“ Wieder lächelte der Altkommunist Olschewski. Er sah in Faber einen talentierten Genossen, einen exzellenten Schauspieler, aber auch den feurigen Leutnant aus dem Weltkrieg. „Mach dir nicht zuviel Sorgen Faber, wir sind in Bayern ja an die Illegalität gewöhnt“, erklärte Olschewski. Faber explodierte fast: „Wie kannst du nur die oft weitreichende Illegalität oder Halblegalität in Bayern mit dem vergleichen was uns bevorsteht! Himmler und ein gewisser Heydrich bereiten alles vor, um uns in Bayern zu ver-nichten. In Preußen verfolgt Göring das gleiche Ziel. Schluss mit den Illusionen!“ Olschewski lenkte ein und stieg mit dem sehr aufgebrachten Faber hinunter auf den Kraiburger Marktplatz.

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Verrat in München und Burghausen- Neues Buch von Max Brym

Verrat in München und Burghausen

Band 1

Max Brym

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Am Wochenende aber zieht es ihn meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn, in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, als auch in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Er kennt alle Nazigrößen persönlich und sie widern ihn an. Hans Faber arbeitet eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

Der Autor wurde am 24.09.1957 in Altötting geboren. Er arbeitet und lebt als freier Journalist in München. Max Brym ist Dozent für Philosophie und Geschichte an mehreren nationalen und internationalen Bildungseinrichtungen. Viele Jahre arbeitete er als Gastdozent an der öffentlichen Universität Prishtina in Kosovo. Der Autor schreibt regelmäßig u.a. für jüdische Zeitungen, darunter das Webportal „haGalil“. Vom Autor erschienen viele Artikel, speziell zur Geschichte der Arbeiterbewegung in unterschiedlichen Zeitungen.

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ca. 280 Seiten
(ISBN: 978-3-943150-20-9)

 

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