Bücherverbrennung, aber der Beimler ist weg

Leseprobe aus „Verrat in München und Burghausen“ noch ohne jegliches Lektorat.

Aus Hans und Lore verbrachten einige schöne Tage im Burghausen. Sie spazieren nicht nur die Burg entlang, die Hans Faber in und auswendig kannte. Hin und wieder hatte er die Neigung Lore etwas von Heinrich dem Löwen, sowie der Revolution im Burghausen von 1705 zu erzählen. Auch Napoleon Bonaparte weilte einen Tag in Burghausen. Den örtlichen Nazis gefiel die Erinnerungstafel für den großen Franzosen nicht. Dennoch beseitigte man sie nicht, denn Burghausen war eine sehr gefragte kleine Stadt für in und ausländische Touristen. Am 10. Mai fand in ganz Deutschland, so auch in München, die perfiden Bücherverbrennungen der Nazis statt. Hans Faber ersparte es sich, an diesem perversen Spektakel am Münchner Königsplatz teilzunehmen. Bei Fackelschein wurden Sprüche geklopft wie:“ Ich Übergebe den Flammen die Schriften von Karl Marx und Karl Kautsky.“Das Burghauser Naziblatt berichtete ausführlich über die Aktion. In München wurde bereits am 6. Mai eine Bücherverbrennung durchgeführt. Dies geschah auf Initiative der Hitlerjugend auf der, der Gebietsführer der Hitlerjugend zu den brennenden Bücherbergen eine flammende Rede hielt. Es sprach auch der Stadtschuldirektor von München Josef Bauer, über die Helden des Befreiungskampfes von 1813-1815. Am 10. Mai begann auf Initiative der NS Studentenschaft die Aktion zur Bücherverbrennung im Lichthof der Universität. Anschließend zogen die angehenden barbarischen Jungakademiker zum Königsplatz. Auf dem Königsplatz selbst wurden dann rund 70.000 Personen Zeugen der Bücherverbrennung. Eröffnet wurde das ganze mit dem Lied „ Burschen heraus“. Während der Verbrennung wurde das „Horst Wessel Lied“ gesungen. Es sprachen einzelne Studenten, am Ende der Studentenführer Karl Ellersiek. Vergeblich suchte Hans Faber den Namen von Gert Rühle, bis vor kurzem Reichsstudentenführer und Anwaltskollege, welcher am Ende der Nordendstraße wohnte. Eine andere Meldung elektrisierte jedoch Hans Faber. Es wurde bekannt gegeben, dass der Kommunistenführer Hans Beimler seit dem 9. Mai flüchtig ist. Es wurde eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt, er wurde wegen Mord gesucht. Freudig schlug sich Hans Faber, bei dieser Meldung auf die Schenkel. Offensichtlich hatte es sein Freund Hans Beimler ,es geschafft, aus dem Mörder Lager Dachau zu entkommen. Das war nach Meinung von uns Hans Faber, nur einem Hans Beimler zuzutrauen. Auch der Vater Georg Faber freute sich über diese Meldung. „ hoffentlich erwischen sie den Beimler nicht, das ist ein ganzer Kerl und so ein guter Redner, den wir auch einige Male im Burghausen hören durften.“ Die beiden Fabers waren in Freude vereint. Am nächsten Tag stand der obligatorische Besuch bei der Schwester Therese in Kraiburg an. Stürmisch umarmte Therese ihrem Bruder und freute sich auch Lore wieder zu sehen. Georg Schmidt war nicht im Haus so beschloss man nach Mühldorf in den Turmbräugarten zu fahren, um Speise und Trank zu sich zu nehmen. Das Essen im Mühldorfer Lokal war wie immer ausgezeichnet. Alle waren gut gelaunt, speziell wegen der gelungenen Flucht von Hans Beimler. Dann jedoch trat eine Person an den Tisch, welche die Stimmung merklich drückte. Es war Hans Gollwitzer seines Zeichens evangelischer Vikar, gleichzeitig Mitbegründer der Nazipartei in Mühldorf am Inn im Jahr 1929. Jetzt übte Gollwitzer, die Funktion des Leiters der „Deutschen Christen“ unter Reichsbischof Ludwig Müller für den Bezirk Alt Bayern aus. Er versuchte die evangelischen Kirche gründlich auf Nazilinie zu bringen. Gleichzeitig war er sozusagen der weltanschauliche Chefberater des NSDAP Kreisleiters Fritz Schwägerl, welcher geistig und ideologisch doch etwas beschränkt war. Ausführlich begründete Gollwitzer seinen heroischen Kampf, um das „Deutschtum“ in der evangelischen Kirche. Er scherte sich einen Dreck darum, dass Therese und Lore keinerlei Interesse an seinen Ausführungen hatten. Hans Faber hörte dennoch zu, denn dies war wichtig für den Abwehrapparate KPD. Gegen Abend wurde Therese nachhause gebracht man begrüße noch kurz ihren Gemahl, bevor sich Lore und Hans auf den Weg nach München machten. Hans Faber wollte unbedingt näheres zur Flucht von Hans Beimler erfahren.

Im Bratwurstglöckel

Einige Tage nach der Flucht von Hans Beimler, besuchte Hans Faber, das „Bratwurstglöckel in der Münchner Innenstadt. Am seit 1924 bestehenden Stammtisch der SA, saß Ernst Röhm mit einem jungen hübschen Kerl, dazu ein finster brutal dreinschauender Typ in SS Uniform. Der Gastwirt Karl Zehnter, begrüßte Faber sehr herzlich. Nachdem sich Faber setzte, stellte sich die Gestalt in SS Uniform vor. Er hieß Hilmar Wäckerle, er war der berüchtigte Kommandant des Konzentrationslagers Dachau. Faber wußte, dass Wäckerle stets mit Schäferhund und Ochsenziemer im KZ unterwegs war. Im Vergleich zu ihm war Röhm mit seinen Reitkünsten, seinen musikalischen Kenntnissen und der sogenannten „ Soldatenethik“ ziemlich kultiviert. Wäckerle prügelte und tötete nach Gusto im KZ. Der Sadismus war Wäckerle ins Gesicht geschrieben. Aber Faber war ja nicht im Lokal um Gesichter zu studieren sondern er wollte Details zur Flucht von Beimler, direkt von dem Chefpeiniger erfahren. Ohne Umschweife fragte er Wäckerle , wie ihnen der Beimler entwischen konnte. Diese Frage gefiel Ernst Röhm, er forderte Wäckerle auf zu erzählen. Der blass gewordene Lagerkommandant stotterte los. „ Drei Leute von mir schlugen den Beimler mit einem Ochsenziemer scheinbar windelweich. Auf Befehl von mir wurde der Bolschewistensau ein Strick in die Zelle gehängt. Dem Beimler wurde geraten das Angesicht der Erde nicht länger mit seiner Anwesenheit zu beschmutzen. Es wurde ihm eine Frist von zwei Stunden gegeben. Aber der Kerl hängte sich nicht auf, sondern er erdrosselte nach zwei Stunden einen meiner Männer, zog sich dessen Uniform an und marschierte aus dem Lager grüßend hinaus.“ Röhm grinste auf Kosten von Wäckerle und meinte: „ Meinen SA Leuten wäre das nicht passiert“. Da war sie wieder zu spüren, die bestehende Rivalität zwischen dem SA Stabschefs Röhm und Heinrich Himmler. Dann setzte sich noch eine Gruppe weiterer Personen an den Tisch. Es kam die engste Umgebung von Ernst Röhm. Es waren die Herren Karl Leon Du Moulin-Eckart, der Chef der SA Stabswache Julius Uhl, der neue Polizeikommandant von München August Schneidhuber, sowie Graf Spreti-Weilbach, welcher wohl derzeit in München war. Die Banditengruppe von Röhm amüsierte sich ebenfalls über die Flucht von Beimler. Der speziell für Röhm mordende Julius Uhl, nannte Beimler „ einen ganzen Mann im Gegensatz zur blöden SS“. Alle lachten, nur Wäckerle nicht. Dann versuchte Wäckerle aufzutrumpfen: „ Als Racheexempel ließ ich sofort den Ex KPD Orgchef Sepp Götz im Arrestlokal der SS am 9. Mai erschießen. Auch der ehemalige KP Landgasabgeordnete Fritz Dressel wurde liquidiert.“ Dazu meinte Schneidhuber: „ Ja ja aber der Beimler ist trotzdem weg.“ Röhm empfahl Schneidhuber, der jetzt formal über Heinrich Himmler stand, den „ Heini mit seiner unfähigen Truppe schärfer an die Kandare zu nehmen.“ Alle lachten zustimmend. Faber wußte nun ziemlich viel über die Flucht von Hans Beimler, ohne Leute vom Abwehrapparat der KPD zu treffen. Unter einem Vorwand verabschiedete er sich, denn er hatte keine Lust auf längeren Bierdunst, sowie den dazugehörenden schwülstige Reden. Röhm meinte noch zu Faber beim Abschied: „ Mit deiner Lore bin ich sehr zufrieden. Pass nur auf, dass sie nicht auf einen auf Frauen stehenden Kerl aus meiner Umgebung hereinfällt“. Wieder lachten alle, diesmal über die offen zugegebene Homosexualität ihres Chefs. „ Mache ich, mache ich“ sagte Faber und verschwand.

Cliquenkämpfe

Lore hatte am Abend noch einige Neuigkeiten für Hans Faber. Der ehemalige Chef des SA Nachrichtendienstes Georg Bell, wurde bereits am 3. April im Gasthof Blattlwirt bei Kufstein ermordet. Der Mord wurde in der österreichischen Presse weitgehend verschwiegen. Der Fahrer von Edmond Heines erzählte die Geschichte Lore beim Mittagessen. Er tat dies deshalb um Lore zur absoluten Verschwiegenheit zu verpflichten. Er führte gegenüber Lore aus: „ Das Beispiel zeigt wie wir mit Abweichlern umgehen, erzähl aber nichts davon dem Moralapostel Buch ( Leiter des Parteigerichtes), sowie dem Schwein Martin Bormann aus der Parteileitung. Wenn du etwas erfährst bleibt das absolut Geheim, sonst geht es dir wie Bell.“ Faber war völlig klar, dass die SA nach wie vor ihr eigenes Spiel trieb, unter Umständen sogar gegen Hitler. Nach dem Bericht Lores fertigte Faber eine Niederschrift für den Abwehrapparat der KPD an. Darin warnte er vor Illusionen über besondere „ revolutionäre Möglichkeiten“ wenn es zum Bruch zwischen der Parteileitung und der SA Führung kam. Er kannte Röhm und wußte wie jener die Politiker verachtete und in Hitler immer noch seinen Zögling aus der Reichswehr sah.

Es handelte sich um keinen Klassenkonflikt sondern, die kleinbürgerliche SA Bande wollte nur mehr Macht. Beseitigt wurden dabei alle welche gefährlich werden konnten. Bell spielte dem katholischen Verleger Gerlach bereits im letzten Jahr einige Infos über die weitverbreitete Homosexualität in der SA Führung zu. Im März flüchtete Bell auf abenteuerliche Weise nach Österreich. An der Grenze zur Schweiz traf er sich mit dem begnadeten KPD Publizisten Willi Münzenberg und steckte ihm so einiges über den Reichstagsbrand. Münzenberg arbeitete an einem Braunbuch zum Reichstagsbrand. Nach Bell wurde van der Lubbe benutzt. Den Reichstag zündeten die Nazis selbst an. Ein SA Trupp unter Leitung von Karl Ernst drang in den Reichstag durch den unterirdischen Gang vom Reichstagspräsidentpalais Görings in den Reichstag ein und verschwand durch diesen wieder. Diese Aktion und das Wissen der SA Leitung gefährdete auch diese Leute. Göring liebte keine Zeugen. In dem Bericht von Faber für Viktor stand: „ Am 3. April 1933 wurde Bell im Gasthof Blattlwirt in dem Nest bei Kufstein von einem Einsatzkommando aus Angehörigen der Bayerischen Politischen Polizei, der SA und der SS aufgesucht. In Gesprächen mit zwei Angehörigen des Einsatzkommandos in seinem Zimmer erklärte er sich schließlich bereit, dieses zurück nach Deutschland zu begleiten. Noch während er sich reisefertig machte , wurde er von einem weiteren Angehörigen des Kommandos – der überraschend in sein Zimmer eintrat und ihn niederschoss – getötet. Laut dem Bericht des untersuchenden Gerichtsmediziners zufolge erlitt er fünf Schussverletzungen im Rücken (vier Steckschüsse und einen Durchschuss), ein Schuss war sofort, tödlich Die tödlichen Schüsse auf Bell wurden wahrscheinlich von Julius Uhl abgegeben. Uhl hatte sich, als er von der beabsichtigten Rückführung Bells nach Deutschland erfahren habe, dem Verhaftungskommando unauffällig und scheinbar ohne irgendwelche Hintergedanken angeschlossen.

In Wahrheit wollte Uhl unbedingt, die Rückführung Bells nach Deutschland verhindern. Er befürchtete, dass Bell in München gegenüber der politischen Polizei auspacken könnte.“ Nach einer Gesprächsnotiz welche Lore in die Finger geriet plante der Geheimdienst der SA, im Jahr 1932 die Ermordung Hitlers, wegen dessen Legalitätskurs. Gleichzeitig versuchten im letzten Jahr Buch und Bormann, ein Mordkommando zusammenzustellen welches die „ homosexuelle Bande um Röhm erschoss“. Beide Pläne zerschlugen sich, denn Hitler wurde legal Kanzler und deckte vorläufig noch Röhm. Nach dem Ende des Berichtes kam sich Faber vor wie ein „ schlechter Krimiautor“. Dennoch waren diese Mordgesellen, diese Banditen bei aller Rivalität an der Macht. Sie verrichteten mit ihrem Terror gegen die Arbeiterklasse, wertvolle Dienste zugunsten der Bourgeoisie. Streiks waren illegal, die Löhne eingefroren, die Kapitalverwertungsbedingungen begannen sich nachhaltig zu verbessern. Genau aus diesen Gründen nahm die Bourgeoisie, die ihnen unsympathischen wildgewordenen Kleinbürger in Staatsfunktionen hin. Wegen dem Maximalprofit verzichteten die Bosse auf die direkte politische Machtausübung im Staat. Ein Postkartenmaler war Führer, ein fett gewordener Göring nach dem Ex Straßenkartenmaler zweiter Mann im Staat, mit dem direktesten Draht zu den Industriellen. Röhm verrichtete brutale Drecksarbeit und bemühte sich besonders, die modernen Teile der Industrie, sprich Chemie und Elektrokapital auf seine Seite zu ziehen. Die SS wiederum machte sich nachhaltig mit Junkern und Adeligen gemein. Das belegte auch die hohe Zahl von Adeligen, welche sich um Heinrich Himmler versammelten. Hitler gab den Führer, ließ die Bonzen rivalisieren und beanspruchte immer das letzte Wort in der Entscheidungsfindung. Aber bei Röhm konnte Hitler nach der Meinung von Faber an seine Grenzen stoßen. Wenn Hitler schrie, schrie Röhm auch. Besonders die Rivalität zwischen Göring und Röhm war nach allen Infos die Lore brachte, kaum mehr zu kitten.

Im September in Leipzig

In München war seit Anfang Juni Adolf Maislinger der Leiter der illegalen Parteiorganisation der KPD. Dies wurde ausdrücklich gegen die Empfehlung von Hans Faber beschlossen. Am 30. Mai wurde Franz Stenzer in seinem illegalen Quartier in München aufgespürt und damit der Kopf der illegalen KPD erwischt. Faber war gegen die Einsetzung von Maislinger als Leiter der illegalen KP Arbeit, denn dadurch wieder wurde wieder einmal der Abwehrapparat der KPD in die direkte Parteiarbeit mit einbezogen. Immer wieder kam es in München zwischen Mai und August zur neuen Verhaftungen und auch die Druckstelle der illegalen KP Zeitung „ Neue Zeitung“ wurde ausgehoben. Lore berichtete welche Verwunderung bezüglich des Herstellungsortes der illegalen Zeitung in der SA Führung gab. Die „Neue Zeitung“ wurde im wesentlichen von Walter Häbich und dem langjährigen Redakteur Willi Grimm geschrieben. Den Druck der illegalen Zeitung organisierten Franz Xaver Schwarzmüller und Georg Frühschütz. Den Druck bewerkstelligten Franz Xaver Schwarzmüller und Georg Frühschütz. Was die SA und besonders Polizeipräsident August Schneidhuber, nach Lore, besonders erregte war, dass die Zeitung ab Mai in höherer Auflage im Bibliothekszimmer über Druckmatrizen, im katholischen Asamhaus in der Sendlinger Strasse hergestellt wurde. Ein katholischer Freund von Frühschütz, Hugo Scheurer, machte dies möglich. Ausgabe 6 der Zeitung hatte eine Auflage von 1850 Stück. Der Druck selbst erfolgte in einer Spenglerwerkstatt in Obersendling. Die Druckstelle wurde im August ausgehoben. Das „katholische Bibliothekszimmer“ als faktisches Büro Mitte September. Kurz danach wurde Walter Häbich verhaftet. Für Faber war klar, dass es nur über Spitzel der GESTAPO gelungen sein konnte, die beiden Arbeitsräume auszuheben. Auch aus diesem Grund bestand Faber darauf, ab jetzt nur noch mit auswärtigen von Viktor persönlich geschickten Genossen aus dem Reich, sich jeden Mittwoch ab 16 Uhr 30 bei Baum 3 im „Englischen Garten“ zu treffen.

Die Verhaftung des Leiters der KPD Südbayern Franz Stenzer war nach Faber auch nicht möglich ohne massive Spitzeltätigkeit innerhalb der KPD. Ein weiterer Grund für Faber den heroischen aber von Spitzeln durchsetzten KP Untergrund in München zu meiden. Monatelang wurde Stenzer in Dachau gefoltert und misshandelt. Nachdem aus Stenzer nichts herauszubringen war, erschoss ihn die SS am 22. August. Röhm sagte dazu zu Lore: „ Die SS versteht nicht mit richtigen Kerlen umzugehen. Am Ende wird einfach umgelegt, ohne etwas zu erfahren“. Der anwesende SA Mörder Uhl stimmte seinem Chef zu. In den Monaten Mai Juni Juli und August schlief Hans Faber meist sehr schlecht. Oft musste ihn Lore massieren oder ihn mit ihren Liebeskünsten zumindest kurzfristig auf andere Gedanken bringen. Aber auch Lore setzte ihre Arbeit bei Ernst Röhm sichtlich zu. Immer öfter nahm Faber im Gesicht von Lore Traurigkeit und nervliche Anspannung wahr. Hans Faber tat seine Geliebte leid. Aus dem lebenshungrigen Geschöpf wurde für Insider erkennbar etwas anderes. Dennoch achteten Lore weiterhin auf ihr Äußeres, ihr Kleiderschrank konnte sich nach wie vor sehen lassen. Ende September erhielt Faber , die Nachricht sich nach Leipzig zu begeben und Viktor dabei behilflich zu sein den Reichstagsbrandprozess gegen die Dimitroff und Genossen zu entlarven. Am 24. September zwei Tage nach Beginn des Prozesses reise Faber angeblich aus juristisch geschäftlichen Gründen nach Leipzig ab.

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Textauszug 3 „Verrat in München und Burghausen“

 

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es in meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn im in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Ab 1935 arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

Schnell in den Bezirk Altötting- Burghausen

 

Als Faber in sein Büro zurückkehrte machte ihn seine Sekretärin Berta auf ein dringendes Telegramm aus Burghausen aufmerksam. Es war ein Telegramm von seiner Mutter Lotte. In dem Telegramm stand: „ Bitte komm sofort, dein Vater braucht dich“. Schlagartig war Faber klar was passiert sein musste. Offensichtlich war auch sein Vater verhaftet worden. Umgehend telefonierte er mit der Polizeidienststelle Burghausen. Dort wurde dem RA. und Parteigenossen Faber bestätigt, dass sein Vater vorgestern festgenommen wurde. Nach Auskunft des Wachhabenden wurde er mit Simon Vorburger und Genossen in das Amtsgerichtsgefängnis Altötting verbracht. Die Verhaftung erfolgte am 10. März. Faber sprach auch mit dem Gefängnisleiter in Altötting. Dieser meinte, „ da ist vorläufig nichts zu machen, die Leute werden bald verschubt“. Dann probierte Faber mit der NSDAP Kreisleitung in Mühldorf zu sprechen. Eine Sekretärin unterrichtete Faber davon, dass „ Kreisleiter Schwägerl nicht im Haus sei“. Immerhin erfuhr er wo Schwägerl war. Die Nazis vor Ort tagten in Permanenz bis spät Nachts in Neuötting im Wirtshaus „Münchner Hof“, des Limonadenherstellers und Nazis Zierhut. Das Lokal war Faber als Keimzelle der NS Bewegung im Landkreis Altötting bekannt. Faber holte seinen PKW Adler Standard 8  und machte sich umgehend auf den Weg. Die Sekretärin Berta schickte der Mutter ein Telegramm. Darin wurde Mutter Lotte unterrichtet, dass Hans unterwegs ist. Die Fahrt nach Neuötting dauerte knapp 4 Stunden. Hans Faber hoffte Schwägerl oder andere Funktionsträger in Neuötting in dem berüchtigten Lokal in der dortigen Ludwigstraße. 76 anzutreffen. Tatsächlich, als Faber im Lokal auftauchte erkannte er sofort Schwägerl, den SS Mann Zierhut, den NSDAP Chef von Altötting Stubenhofer, den „Alten Kämpfer“ aus Neuötting Heinrich Hilleprandt, sowie den Teilnehmer am dilettantischen Hitlerputsch Franz Obermaier aus Altötting. Den offiziellen Kreisleiter von Altötting Ludwig Malcomeß, welcher eng mit Fritz Schwägerl aus Mühldorf verbunden war. Der 1909 geborne Schwägerl galt als brutaler und durchsetzungsfähiger als Malcomeß. Beide waren jung und rücksichtslos, sowie durch irgendetwas besonders verbandelt. Dann erkannte Faber noch den Nazi Max Kammerer, sowie der Kriegskamerad Hitlers Josef Schmidt, aus Garching an der Alz. Dazu ihm unbekannte Polizisten, und der kleine Nazifunktionär Lex aus Altötting.

Das Lokal war offensichtlich das NS Hauptquertier zwecks Koordinierung der Verhaftungen. Grinsend kam Schwägerl auf Faber zu. „ Na will uns ein Parteigenosse vom NS Juristenbund beistehen“ meinte der sich wie immer lässig gebende Kreisleiter. Faber schüttelte Schwägerl die Hand und schlug vor in einer Ecke des Lokals weiterzureden. Freundlich aber bestimmt wies ihn Faber auf die Verhaftung seines Vaters hin. Schwägerl meinte zuerst, „da nichts machen zu können“. Natürlich hatte die „Bayerische Politische Polizei“ und willige Staatsanwälte, die Verhaftungen angeordnet. Aber die Details über die zu verhafteten Personen kamen von der NS Kreisleitung Altötting-Burghausen . Auch führte oftmals die örtliche SA, die Festnahmen durch. Die Ansammlung im „Münchner Hof“ hatte exekutive Vollmachten. Auf den Tischen waren Namenslisten ausgelegt. Die einzelnen Orte waren markiert. Die Wahlergebnisse der letzten Reichstagswahl am 5. März in den einzelnen Orten lagen aus. Faber meinte zu Schwägerl: „ Mein Vater ist krank und Frührentner, seinen marxistischen Unsinn wird er bleiben lassen Parteigenosse Schwägerl. Dafür verbürge ich mich“. Immer noch zögerte der Kreisleiter. Gegen Ende des Gesprächs versicherte Faber, sich bei Gauleiter Wagner positiv für ihn zu verwenden. „ Ihre Härte gegen den Marxismus wird gewürdigt werden Parteigenosse Schwägerl“. Schwägerl schwankte aber dann gab er nach. Er besprach sich noch kurz mit dem ehemaligen Sozialdemokraten Malcomeß, welcher erst im Januar 1931 in die NSDAP eintrat. Faber wußte, dass Schwägerl oft auf Konferenzen der Partei ironisch als „ Maria hilf- Kreisleiter“ verspottet wurde. Vielen in München war der Unterschied zwischen Mühldorf und Altötting nicht so ganz klar. Fritz Schwägerl telefonierte mit verschiedenen Leuten im Nebenraum. Dann kam er zurück und sagte: „Parteigenosse Faber, du kannst deinen alten Herrn noch heute Abend aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Altötting abholen, aber nicht gleich, es wird ihn noch ein Arzt besuchen außerdem kannst du uns noch ein paar Tipps geben wie es weitergeht, besonders im schwarzen Altötting, sowie im rot verseuchten Burghausen.“ Faber willigte ein, obwohl er am liebsten seinen Vater gleich abgeholt hätte. Ihm war klar, dass er bei und nach der Verhaftung misshandelt wurde. Die Nazibande war in ihrem Eifer kaum zu bremsen. Laufend trafen Kuriere ein und informierten Schwägerl und Malcomeß wer schon oder noch nicht gefasst wurde. Faber fragte als alter „ Burghauser“ ,wie viel von der Kommune schon dingfest gemacht wurden.

Der SS Typ Ziereis reichte ihm eine Namensliste. Darauf standen die Namen von mehreren Kommunisten aus Burghausen. Faber las über die Festnahme von Haxpointner Alois, Schlosser- Scheibeck Stefan, Hilfsarbeiter Ober Hans, Schreiner Buchfellner Hans, Schreiner Klaus Alois, Fabrikarbeiter Huber Georg, Fabrikarbeiter Weinzierl Josef, Fabrikarbeiter Gaßner Andreas, Fabrikarbeiter Riesinger Michael, Eisenbahner Fürhaupter Josef, Hilfsarbeiter. Ludwig Lankes Arbeiter. Noch nicht auf der Liste standen, Heinrich Breu, sowie den Kassierer und Org Chef der Burgauser KPD Josef Burghart. Offensichtlich sind sie untergetaucht. Fast alle waren Faber zumindest vom Namen her bekannt. Einige fehlten noch auf der Liste. Der Vertrauensmann von Faber vom Abwehrapparat aus Burghausen war den Nazis noch nicht ins Netz gegangen. Aber mit den Verhaftungen war die Partei faktisch zerschlagen. Der Neuöttinger Nazi Heinrich Hilleprandt wollte ebenfalls mit seinen Erfolgen nicht hinten anstehen. Freudig berichtete er von der Verhaftung des Altkommunisten Anton Griebl, sowie der Verhaftung des Jungkommunisten Fritz Wimschneider aus Neuötting. Faber fragte Hilleprandt ob er persönlich in die Verhaftung miteinbezogen gewesen sei. Heinrich Hilleprandt verneinte. „ Ich hab nur die Aufgabe Mütter und Geschwister abzuwimmeln. Die Polizei verhaftet selbständig und ich muss beispielsweise der Pflegemutter dieses Wimschneiders, einer Frau Maria Harlander auch noch den Sachverhalt erklären“ flüsterte Hilleprandt schon fast bemitleidenswert. Dann mischte sich wieder Fritz Schwägerl ein: „ Ja ja diese Harlander, mir wurde auch berichtet, dass sie regelmäßig beim Juden dem Textilhändler Weiner hier einkauft. Wir haben noch viel Arbeit.“ Faber nickte und deutete an, dass bald eine Aktion im Reich gegen die Juden laufen wird. Die örtlichen Nazis horchten erfreut auf. Dann zog Schwägerl, Faber wieder in eine Ecke des Lokals. Er beklagte sich bei Faber besonders über die schwarze Brut im Landkreis Altötting. Dabei fielen die Namen Wehnert, Bruckmayer und Seidel, Gabriel Mayer aus Altötting, sowie der Name des jungen RA Gmach aus Neuötting. Faber beruhigte Schwägerl und meinte, „ die Schwarzen werden bald endgültig abtreten, der Herr Ministerpräsident Held wird verschwinden. Machen Sie doch den jungen Herrn Daniel Fandrey zum Bürgermeister von Altötting Parteigenosse Schwägerl, sprechen Sie darüber mit Malcomeß.“ Malcomeß hatte zugehört und meinte-“ In dem schwarzen Nest Altötting hatten wir nur 17,6% der Stimmen bei der Rechstagswahl am 5 März. Wir müssen zuerst BVP den Bürgermeister Gabriel Mayer loswerden. Wir sollten den Verleger Geiselberger zum Bürgermeister machen. Auch der ist ein „Schwarzer, aber gleichzeitig Verleger. Er gibt die wichtigste Zeitung hier heraus. Als Geschäftsmann wird er in unserem Sinn schreiben, dafür darf er einige Zeit Bürgermeister sein. Dann ist er erst fällig.“ Georg Faber hatte Malcomeß unterschätzt. Offensichtlich hat er einiges in der SPD gelernt. Schwägerl nickte und bedeutete kurz vor Mitternacht, dass Faber seinen Vater aus dem Gefängnis abholen könne. Schwägerl vergas nicht darauf hin zu weisen ihn bei Gauleiter Wagner zu empfehlen. „ Mach ich du Verbrecher“ dachte Faber und brauste von Neuötting nach Altötting. Gegen 12 Uhr Mitternacht wurde Faber in das Amtsgerichtsgefängnis geleitet. Der diensthabende Beamte wußte Bescheid. Georg Faber saß nicht in der Zelle sondern in einer Art Vernehmungszimmer. Er trug einen Verband, um den Kopf und rauchte. „ Ha der Herr Sohn, hab ich jetzt einen Rechtsanwalt“ rief Georg Faber. „ Sei still Vater und komm mit. Ich bring dich nach Hause.“ Georg Faber stand auf und folgte seinem Sohn. Hans Faber blickten einige verwirrte SA Leute hinterher, welche sich im Gefängnis aufhielten, als er mit dem Delinquenten davon schritt.

 

Bei der Mutter in Burghausen

Mühsam kletterte Georg Faber in den Wagen und ließ sich schwer fallen. Der Vater war ganz offensichtlich geschlagen und misshandelt worden. Unvermittelt sagte er zu seinem Sohn: „ glaub ja nicht, dass mich diese Halunken klein gekriegt haben, auch wenn der Sohn, der Nazi mich heraus haute“. So kannte Hans Faber seinen Vater. Während der Fahrt nach Burghausen erzählte Georg Faber wie es ihm ergangen ist. Am 10. März erschiene gegen mittags zwei Polizisten und mehrere junge ihm unbekannte SA Typen. Georg Faber wurde ohne große Umstände gepackt und mitgenommen. Die noch nicht zwanzigjährigen SA Schälger schubsen ihn schon auf der Straße er bekam mehrere Ohrfeigen, was einige Burghauser Bürger erschreckte. Dann landete er in der Burghauser Polizeistation, dort misshandelten ihn mehrere sehr junge fanatisierte SS Leute. Er wurde wüst beschimpft mit Fäusten traktiert am Boden liegend „marxistische Schwein“ genannt angespuckt,etwas später trat ein jugendlicher Verbrecher zweimal mit dem Fuß gegen seinen Kopf. Erst dann Schritt ein älterer örtlicher Polizeibeamter ein und machte sich etwas für Georg Faber stark. Der Kopfverband belegte die Verletzungen welche Georg Faber durch Schläge auf den Kopf erhielt. Der Arzt welcher im Amtsgerichtsgefängnis Altötting erschien diagnostiziert eine mittlere Gehirnerschütterung. Auch am Körper des Vaters hatte die SA ihre Spuren hinterlassen. Hans Faber sprach während der Fahrt nicht viel , er hörte seinem alten Herrn zu. Endlich gegen halb 2:00 Uhr morgens wurde die Wohnung der Mutter erreicht. Hans Faber half seinem Vater die Treppen hinauf. Mutter Lotte stieß einem Freudenschreie aus. Immer wieder sagte sie“ danke danke Hans ich wusste das du deinen alten Vater nicht im Stich lässt“. Trotzdem erklärte Georg Faber, „mein Sohn ist ein Nazi obwohl er sich scheinbar eine menschliche Ader gegenüber seinem Erzeuger bewahrt hat“.Die Mutter versuchte den mittlerweile doch sehr müde gewordenen Vater zu beruhigen und Hans sagte kurz bevor sein Vater einschlief:“ Vater ich werde dir morgen einige Dinge erzählen aber nur wenn du mir versprichst es nicht einmal der Mutter zu erzählen. Ich bin alles andere als ein Nazi Gute Nacht.“ Georg Faber war die Verwunderung deutlich anzumerken, bevor er endgültig einschlief, um sich von den Tagen der Schreckens zu erholen. Auch Hans ging zu Bett, er trank noch einen Tee, die Mutter streichelte ihm wie früher als Kind liebevoll durchs Haar.

Aussprache mit dem Vater

Erst gegen Nachmittag des nächsten Tages und nachdem Hans Faber mit Lore in München telefonierte kam der Vater zu sich, er saß angestrengt aber schon etwas erholt in seinem Wohnzimmersessel. Hans Faber wollte mit seinem Vater in eine nahe gelegene Gaststätte gehen. Der Vater sagte zu mit der Bemerkung,“ das schaffe ich schon“. Mutter Lotte witterte Geheimnisse, sie wollte verhindern dass der Vater das Haus verließ. Aber Georg Faber kapiert in etwa worum es ging und beruhigte seine Frau. Leichthin hinkend folgte Georg Faber seinem Sohn in das nahe gelegene Café Bichl in den Grüben. Auf dem Weg dorthin grüßte und fragte der Redakteur Josef Stahlhofer Georg Faber „ wie es ihm den ginge“. Stahlhofer war bis vor kurzem Redakteur in der „Altbayerischen Verlagsanstalt“ am Stadtplatz 47. Dort wurde die örtliche Heimatzeitung produziert. „ Ich habs mit Hilfe meines Sohnes überstanden“ antwortete Georg Faber. Dann ging Sthalhofer weiter. Verdutzt fragte Hans Faber nach Stahlhofer, den er als katholischen, bayerischen Nationalisten im Gedächtnis hatte. Georg Faber informierte seinen Sohn, dass dieser Stahlhofer zu katholisch für die Nazis sei. Stahlhofer hatte einen besonderen Konflikt mit dem lokalen SS Mann den Chemiker Dr. Georg Basel. Im Gasthof Anker bestellte Hans Faber zwei starke Kaffes für sich und den Papa. Es wurde darauf geachtet keine Zuhörer zu haben. „ Hör mal zu Papa was ich dir jetzt sage muss unter uns bleiben, du darfst es so auch nicht der Mama erzählen“ sagte Hans Faber. „ Ich bin ganz Ohr“ erklärte Vater Georg. Dann berichtete Hans offen und ehrlich über seine Tätigkeit zu Gunsten des KPD Abwehrapparates. Erstaunen aber auch Zustimmung war im Gesicht von Georg Faber zu lesen. Hans berichtete über sein Studium in Frankfurt und Hamburg. Dort ist er schon 1920 Mitglied der KPD geworden. Hans wurde als alter Frontkämpfer in den Hamburger Aufstand 1923 geschickt. Seit dieser Zeit entwickelte sich seine Freundschaft mit Hans Kippenberger und Ernst Schneller. Er berichtete wie er 1924 zum Schein Mitglied völkische Organisationen wurde, denn dem alten Frontkämpfer wurde getraut.

Seit 1925 führte Hans Faber ein Doppelleben. Schon im Februar 1925 trat er in München in die NSDAP in ein und war mit allen wichtigen Naziführern bekannt. Sein juristischer Rat war besonders gefragt bei Leuten aus der Naziführung, welche immer wieder Schwierigkeiten in der Weimarer Zeit mit dem Finanzamt hatten. Hans Faber war froh endlich mit dem Vater, wie mit einem Genossen reden zu können. Er betrachtete den 30. Januar 1933 als historische Niederlage für die Arbeiterbewegung, er erläuterte dem Vater die Dimension diese Niederlage und machte klar, dass nur enge und professionelle konspirative Arbeit, die Kader der Arbeiterbewegung zumindest erhalten könnte. Ziemlich deutlich kritisierte er auch die KPD Führung welche immer noch“ vom revolutionären Aufschwung“ sprach. Nachdem Hans geendet hatte ,sprach der Vater . Georg Faber war mit seinem Sohn mehr als zufrieden. Sie sprachen noch eine Weile über die Fortsetzung der illegalen Arbeit, speziell in den ländlichen Regionen, konkret über Burghausen. Hans Faber meinte,“ in absehbarer Zeit wird es keine Möglichkeit geben besonders in kleinen Städten offen aufzutreten“. Aus vollem Herzen stimmte Georg Faber seinem Sohn zu. Georg Faber war immer noch Mitglied der SPD, obwohl er ursprünglich 1920 zu den Mitbegründern der KPD, welche aus USPD in Burghausen hervorging gehörte. Dann machte Hans Faber seinem Vater deutlich wie wichtig es auch für ihn sei sich vorläufig absolut ruhig zu verhalten. Hans Faber sprach davon wie er den NSDAP Kreisleiter Schwägerl dazu brachte seiner Freilassung zuzustimmen.Hans Faber warnte seinen Vater auch davor, in nächster Zeit mit linken Freunden offen zu sprechen. Nach der Meinung von Hans Faber müsse abgewartet werden, denn der Terror der SA, das geplante Konzentrationslager in Dachau bei München wird einige Charaktere brechen. Dann machten sich beide auf zur Mutter zurückzukehren. Hans Faber sah, dass sein Vater noch schlaf benötigte und sich erholen musste. Es wurde noch vereinbart, dass der Mutter nur gesagt würde, „ Hans ist gar kein richtiger Nazi“. Viele Mütter haben öfters die Neigung über ihre Söhne mit einer gewissen Begeisterung zu sprechen. Dazu gehörte auch Mutter Lotte. Am Nachmittag schliefen beide, gegen Abend bereitete die Mutter einen sehr wohl schmecken Schweinebraten zu. An Lore in München wurde ein Telegramm geschickt indem stand dass Hans Faber übermorgen am 16 März wieder zuhause sei. Am nächsten Tag fuhr Hans zu seiner Schwester nach Kraiburg am Inn. Er wollte sich dort mit Fritz Rottmeier vom „ Aufbruchkreis“ treffen und einen ungeschminkten Bericht für Viktor, über die Lage in der bayerischen Provinz in aller Ruhe verfassen.


Die Lage der KPD in Südostoberbayern

Faber schrieb: „ Von unseren 20.000 Mitgliedern in Bayern sind bereits über 2.000 in Haft. Weitere Verhaftungen werden folgen. Bis dato wurde der mittlere Funktionärskreis der KPD durch Terror und Inhaftierungen der Partei entzogen. Dadurch sind weite Teile der Führung vom direkten Kontakt mit der Basis abgeschnitten. Die Lage ist dramatisch. Ihr müsst sehr vorsichtig sein. Achtet auch darauf wer bereit ist weiter Widerstand zu leisten. Prüft genau die Leute. Es werden Provokateure auftauchen. Setzt auf die Jugend.“ Dann schrieb Faber über den Charakter der KPD Mitgliedschaft in Südbayern. Der Bericht befasste sich mit dem Phänomen, dass die KPD in der Weimarer Repubik in den katholischen Regionen oftmals stärker war als in den protestantischen ländlichen Gebieten. Bei der Reichstagswahl im November erreichte die KPD in gesamt Bayern ein Wahlergebnis von 10,30%. In den protestantischen Gebieten mit der Ausnahme von Arbeiterstädten wie Nürnberg Fürth und Schweinfurt und dem Sonderfall Selb, wo die KPD weit stärker war als die Nazipartei und die SPD, war das Wahlergebnis in Mittel und Nord Bayern schlechter als in Südbayern und der Oberpfalz. Dies hatte nach Faber einfache Gründe. Natürlich war das Wahlergebnis in Augsburg und München mit 20% und fast 20% sehr gut. Aber in diesen Städten war die KPD keine in den Betrieben massiv vorhandene Arbeiterorganisation mehr. Sie war im wesentlichen eine Organisation von Arbeitslosen. In den ländlichen Gebieten den klein und Mittelstädten waren die Masse der Mitglieder meist ungelernte Arbeiter, Heimarbeiter, Tagelöhner oder in den Steinbrüchen im bayerischen Wald beschäftigt. Die Ausbeutung das Elend war hier besonders verbreitet.

Im Rahmen des verzögerten Industrialisierungsprozesses wurden hier die Arbeiter besonders ausgenommen. Dies galt von den Bergarbeitern in Penzberg, bis hin zu den neuen Arbeiterschichten in den Aluminiumwerken in Töging am Inn und auch oftmals in der Wacker Chemie in Burghausen. Obwohl hier sozialdemokratische Facharbeiter den Ton angaben. Meist bestand in den ländlich geprägten Gebieten keinerlei soziale Kompromisslinie. Oftmals fehlte der privilegierte sozialdemokratische Arbeiteraristokrat. Letzteres galt besonders für die Ungelernten auf den Baustellen. Der Sozialprotest war deshalb besonders verbreitet. Die Masse der KPD Wähler waren in Südost Oberbayern nicht Menschen aus dem klassischen historisch gewachsenem Proletariat, sondern viele waren noch bis vor kurzem Bauern. Es gab eine extremen Ausbeutung, in den klein und Mittelunternehmen, aber auch in den moderneren größeren Betrieben, die oftmals erst in diesem Jahrhundert entstanden sind. In den ländlichen Gegenden waren die ungelernten Arbeiter extremer Ausbeutung verbunden mit Not und Existenzangst ausgesetzt. Die Abscheu gegenüber den örtlichen Kapitalisten, sowie den örtlichen Honoratioren war ziemlich ausgeprägt. Gleichzeitig waren viele dieser Menschen vom Katholizismus geprägt. Ihre Ablehnung des Bestehenden orientierte sich an den radikalen Heilsversprechungen der KPD. Die Mitgliedschaft der KPD war in Teilen nicht besonders stabil und zudem ortsbekannt. In den klein und Mittelstädten war das kommunistische Milieu fast komplett erfasst, in den Dörfern und Markgemeinden erst recht. Dort galt der Kommunist als absoluter Außenseiter. Unter diesen Bedingungen bedeutende illegale Aktionen durchzuführen hielt Hans Faber in der nächsten Zeit für schier unmöglich. Während des Schreibens des Berichtes kam in Hans Faber immer wieder eine gewisse Skepsis auf. Zwar glaubte er, dass Hans Beimler den Bericht gutheißen und verstehen würde, aber Faber war sich nicht so sicher, inwieweit die KPD Führung im Stande war mit realen Berichten etwas anzufangen. Anschließend legte Hans Faber für Beimler noch die Letzten Reichstagswahlergebnisse aus dem „Herz Bayerns“ dem dem Bezirk Altötting Burghausen bei. Das separate Ergebnis des Wahlfahrtortes sparte ersparte sich Faber. Dort hatte natürlich die BVP wieder die absolute Mehrheit. Die Dominanz der BVP war auch bei den Terrorwahlen vom 5 März ungebrochen. Dies war sonst nur noch in der Oberpfalz gegeben. Zusätzlich der Fakt, dass sowohl in Neötting, Töging als auch in Burghausen SPD und KPD, zusammengerechnet noch um einiges stärker waren als die Nazis. In dem Schriftsatz waren die Wahlergebnisse für die Stadt Neuötting aufgelistet. –

Wahl vom 31. Juli 1932:

 

SPD (492 Stimmen)

NSDAP (Hitlerbewegung) (379 Stimmen)

KPD (285 Stimmen)

Deutschnationale Volkspartei (21 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (11 Stimmen)

Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (7 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (1 Stimme)

Bayerische Volkspartei (1.022 Stimmen)

Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (11 Stimmen)

Volkrechtspartei (2 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (32 Stimmen)

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (7 Stimmen)

Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern (-)

Landwirte, Haus- und Grundbesitzer (1)

Nationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (3)

Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (Christlich radikale Volksfront) (-)

Nationalsozialistischer Volksbund für Wahrheit und Recht (-)

Freiheitliche nationalsozialistische Deutsche Mittelstandsbewegung (-)

 

Wahl vom 6. November 1932

NSDAP (Hitlerbewegung) (366 Stimmen)

SPD (505 Stimmen)

KPD (316 Stimmen)

Deutschnationale Volkspartei (35 Stimmen)

Radikaler Mittelstand (4 Stimmen)

Bayerische Volkspartei (1.012 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (10 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)

Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)

Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (3 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (24 Stimmen)

Volksrecht-Partei (-)

Sozialrepublikanische Partei Deutschlands (Hörsing-Bewegung für Arbeitsbeschaffung) (-)

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (2)

Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (2)

Enteigneter Mittelstand (1)

Handwerk, Handel- und Gewerbetreibende (4)

 

Wahl vom 5. März 1933

NSDAP (Hitlerbewegung) (695 Stimmen)

SPD (500 Stimmen)

KPD (219 Stimmen)

Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (42 Stimmen)

Bayerische Volkspartei (1.034 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (9 Stimmen)

Christlich Sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (22 Stimmen)

In Burghausen sahen die Wahlergebnisse so aus

Reichstagswahl 30.07.32

NSDAP 421 Stimmen

SPD 580 Stimmen

KPD 560 Stimmen

BVP 1.253 Stimmen

Reichstagswahl 6.11.32

NSDAP 352 Stimmen

SPD 569 Stimmen

KPD 498 Stimmen

BVP 1284 Stimmen

Reichstagswahl 5.3.33

NSDAP 703 Stimmen

SPD 591 Stimmen

KPD 351 Stimmen

BVP 1335 Stimmen

Im Landkreis Altötting mit seiner großen bäuerlichen Bevölkerung hatte die Reichstagswahl vom 5. März folgendes Gesamtergebnis. NSDAP 6.381 Stimmen, SPD 3.134 Stimmen,KPD 1.473 Stimmen,BVP 11.331 Stimmen, DNVP 334 Stimmen,DVP 107 Stimmen, Deutsche Bauernpartei 2.073. Dazu kamen noch einige Einzelstimmen für Kleinparteien. Hans Faber schlussfolgerte, dass die KPD und SPD zusammen fast so stark waren wie die Nazis. In den Städten Neuötting und Burghausen sogar wesentlich stärker.

Die Lage der KPD in Südostoberbayern

Faber schrieb: „ Von unseren 20.000 Mitgliedern in Bayern sind bereits über 2.000 in Haft. Weitere Verhaftungen werden folgen. Bis dato wurde der mittlere Funktionärskreis der KPD durch Terror und Inhaftierungen der Partei entzogen. Dadurch sind weite Teile der Führung vom direkten Kontakt mit der Basis abgeschnitten. Die Lage ist dramatisch. Ihr müsst sehr vorsichtig sein. Achtet auch darauf wer bereit ist weiter Widerstand zu leisten. Prüft genau die Leute. Es werden Provokateure auftauchen. Setzt auf die Jugend.“ Dann schrieb Faber über den Charakter der KPD Mitgliedschaft in Südbayern. Der Bericht befasste sich mit dem Phänomen, dass die KPD in der Weimarer Repubik in den katholischen Regionen oftmals stärker war als in den protestantischen ländlichen Gebieten. Bei der Reichstagswahl im November erreichte die KPD in gesamt Bayern ein Wahlergebnis von 10,30%. In den protestantischen Gebieten mit der Ausnahme von Arbeiterstädten wie Nürnberg Fürth und Schweinfurt und dem Sonderfall Selb, wo die KPD weit stärker war als die Nazipartei und die SPD, war das Wahlergebnis in Mittel und Nord Bayern schlechter als in Südbayern und der Oberpfalz. Dies hatte nach Faber einfache Gründe. Natürlich war das Wahlergebnis in Augsburg und München mit 20% und fast 20% sehr gut. Aber in diesen Städten war die KPD keine in den Betrieben massiv vorhandene Arbeiterorganisation mehr. Sie war im wesentlichen eine Organisation von Arbeitslosen. In den ländlichen Gebieten den klein und Mittelstädten waren die Masse der Mitglieder meist ungelernte Arbeiter, Heimarbeiter, Tagelöhner oder in den Steinbrüchen im bayerischen Wald beschäftigt. Die Ausbeutung das Elend war hier besonders verbreitet.

Im Rahmen des verzögerten Industrialisierungsprozesses wurden hier die Arbeiter besonders ausgenommen. Dies galt von den Bergarbeitern in Penzberg, bis hin zu den neuen Arbeiterschichten in den Aluminiumwerken in Töging am Inn und auch oftmals in der Wacker Chemie in Burghausen. Obwohl hier sozialdemokratische Facharbeiter den Ton angaben. Meist bestand in den ländlich geprägten Gebieten keinerlei soziale Kompromisslinie. Oftmals fehlte der privilegierte sozialdemokratische Arbeiteraristokrat. Letzteres galt besonders für die Ungelernten auf den Baustellen. Der Sozialprotest war deshalb besonders verbreitet. Die Masse der KPD Wähler waren in Südost Oberbayern nicht Menschen aus dem klassischen historisch gewachsenem Proletariat, sondern viele waren noch bis vor kurzem Bauern. Es gab eine extremen Ausbeutung, in den klein und Mittelunternehmen, aber auch in den moderneren größeren Betrieben, die oftmals erst in diesem Jahrhundert entstanden sind. In den ländlichen Gegenden waren die ungelernten Arbeiter extremer Ausbeutung verbunden mit Not und Existenzangst ausgesetzt. Die Abscheu gegenüber den örtlichen Kapitalisten, sowie den örtlichen Honoratioren war ziemlich ausgeprägt. Gleichzeitig waren viele dieser Menschen vom Katholizismus geprägt. Ihre Ablehnung des Bestehenden orientierte sich an den radikalen Heilsversprechungen der KPD. Die Mitgliedschaft der KPD war in Teilen nicht besonders stabil und zudem ortsbekannt. In den klein und Mittelstädten war das kommunistische Milieu fast komplett erfasst, in den Dörfern und Markgemeinden erst recht. Dort galt der Kommunist als absoluter Außenseiter. Unter diesen Bedingungen bedeutende illegale Aktionen durchzuführen hielt Hans Faber in der nächsten Zeit für schier unmöglich. Während des Schreibens des Berichtes kam in Hans Faber immer wieder eine gewisse Skepsis auf. Zwar glaubte er, dass Hans Beimler den Bericht gutheißen und verstehen würde, aber Faber war sich nicht so sicher, inwieweit die KPD Führung im Stande war mit realen Berichten etwas anzufangen. Anschließend legte Hans Faber für Beimler noch die Letzten Reichstagswahlergebnisse aus dem „Herz Bayerns“ dem dem Bezirk Altötting Burghausen bei. Das separate Ergebnis des Wahlfahrtortes sparte ersparte sich Faber. Dort hatte natürlich die BVP wieder die absolute Mehrheit. Die Dominanz der BVP war auch bei den Terrorwahlen vom 5 März ungebrochen. Dies war sonst nur noch in der Oberpfalz gegeben. Zusätzlich der Fakt, dass sowohl in Neötting, Töging als auch in Burghausen SPD und KPD, zusammengerechnet noch um einiges stärker waren als die Nazis. In dem Schriftsatz waren die Wahlergebnisse für die Stadt Neuötting aufgelistet. –

Wahl vom 31. Juli 1932:

 

SPD (492 Stimmen)

NSDAP (Hitlerbewegung) (379 Stimmen)

KPD (285 Stimmen)

Deutschnationale Volkspartei (21 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (11 Stimmen)

Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (7 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (1 Stimme)

Bayerische Volkspartei (1.022 Stimmen)

Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (11 Stimmen)

Volkrechtspartei (2 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (32 Stimmen)

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (7 Stimmen)

Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern (-)

Landwirte, Haus- und Grundbesitzer (1)

Nationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (3)

Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (Christlich radikale Volksfront) (-)

Nationalsozialistischer Volksbund für Wahrheit und Recht (-)

Freiheitliche nationalsozialistische Deutsche Mittelstandsbewegung (-)

 

Wahl vom 6. November 1932

NSDAP (Hitlerbewegung) (366 Stimmen)

SPD (505 Stimmen)

KPD (316 Stimmen)

Deutschnationale Volkspartei (35 Stimmen)

Radikaler Mittelstand (4 Stimmen)

Bayerische Volkspartei (1.012 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (10 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)

Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)

Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (3 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (24 Stimmen)

Volksrecht-Partei (-)

Sozialrepublikanische Partei Deutschlands (Hörsing-Bewegung für Arbeitsbeschaffung) (-)

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (2)

Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (2)

Enteigneter Mittelstand (1)

Handwerk, Handel- und Gewerbetreibende (4)

 

Wahl vom 5. März 1933

NSDAP (Hitlerbewegung) (695 Stimmen)

SPD (500 Stimmen)

KPD (219 Stimmen)

Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (42 Stimmen)

Bayerische Volkspartei (1.034 Stimmen)

Deutsche Volkspartei (9 Stimmen)

Christlich Sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)

Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)

Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (22 Stimmen)

In Burghausen sahen die Wahlergebnisse so aus

Reichstagswahl 30.07.32

NSDAP 421 Stimmen

SPD 580 Stimmen

KPD 560 Stimmen

BVP 1.253 Stimmen

Reichstagswahl 6.11.32

NSDAP 352 Stimmen

SPD 569 Stimmen

KPD 498 Stimmen

BVP 1284 Stimmen

Reichstagswahl 5.3.33

NSDAP 703 Stimmen

SPD 591 Stimmen

KPD 351 Stimmen

BVP 1335 Stimmen

Im Landkreis Altötting mit seiner großen bäuerlichen Bevölkerung hatte die Reichstagswahl vom 5. März folgendes Gesamtergebnis. NSDAP 6.381 Stimmen, SPD 3.134 Stimmen,KPD 1.473 Stimmen,BVP 11.331 Stimmen, DNVP 334 Stimmen,DVP 107 Stimmen, Deutsche Bauernpartei 2.073. Dazu kamen noch einige Einzelstimmen für Kleinparteien. Hans Faber schlussfolgerte, dass die KPD und SPD zusammen fast so stark waren wie die Nazis. In den Städten Neuötting und Burghausen sogar wesentlich stärker.

Dann befasste sich Faber noch mit der politischen Situation in Mühldorf am Inn. Der NSDAP- Kreisleiter Fritz Schwägerl nannte bezüglich Mühldorf während des Abends in Neuötting keine Namen der verhafteten Kommunisten und Sozialdemokraten, in dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Mühldorf. Hans Faber ging aber auch bezüglich Mühldorf von einigen Verhaftungen aus. Offensichtlich hielt Schwägerl, die Umgebung von Mühldorf für weniger gefährlich als die Städte Burghausen, Altötting, Neuötting und den Arbeiterwohnort Töging, mit den dazugehörigen Aluminiumwerken, sowie den Inn Schleusenanlagen zwecks Elektrogewinnung. Im Landkreis Mühldorf, bis auf die Stadt Mühldorf selbst, war das Wahlergebnis vom 5. März, sowohl für SPD und KPD schlechter als im Landkreis Altötting. In beiden Landkreisen behielt aber die konservative katholische BVP, entgegen dem bayerischen Trend, die Mehrheit. Im Landkreis Altötting war diese Mehrheit noch wesentlich deutlicher als im Landkreis Mühldorf. Als Basis für streng konspirative illegale Tätigkeit sah Hans Faber das Betriebswerk der Reichsbahn in Mühldorf am Inn an. Dort hatte die KPD einige Mitglieder, welche den Nazis nicht bekannt waren. Hier wurde weitgehend auf offene RGO Arbeit verzichtet. Im Betriebswerk der Bahn in Mühldorf gaben sich die KPD Mitglieder in der Weimarer Republik nicht offen zu erkennen. Die Betriebszeitung „ Der Rote Eisenbahner“ wurde von außen, durch Ortsfremde in der halblegalen Zeit an den Betriebstoren verteilt. Ob der realistische Bericht in der KPD Führung positiv aufgenommen werden würde bezweifele Hans Faber. Immer noch träumte man vor der bevorstehenden Revolution und wollte die Niederlage der Arbeiterbewegung nicht wahrhaben. Mit diesem Bedenken im Kopf legte sich Hans Faber schließlich schlafen.

Dann befasste sich Faber noch mit der politischen Situation in Mühldorf am Inn. Der NSDAP- Kreisleiter Fritz Schwägerl nannte bezüglich Mühldorf während des Abends in Neuötting keine Namen der verhafteten Kommunisten und Sozialdemokraten, in dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Mühldorf. Hans Faber ging aber auch bezüglich Mühldorf von einigen Verhaftungen aus. Offensichtlich hielt Schwägerl, die Umgebung von Mühldorf für weniger gefährlich als die Städte Burghausen, Altötting, Neuötting und den Arbeiterwohnort Töging, mit den dazugehörigen Aluminiumwerken, sowie den Inn Schleusenanlagen zwecks Elektrogewinnung. Im Landkreis Mühldorf, bis auf die Stadt Mühldorf selbst, war das Wahlergebnis vom 5. März, sowohl für SPD und KPD schlechter als im Landkreis Altötting. In beiden Landkreisen behielt aber die konservative katholische BVP, entgegen dem bayerischen Trend, die Mehrheit. Im Landkreis Altötting war diese Mehrheit noch wesentlich deutlicher als im Landkreis Mühldorf. Als Basis für streng konspirative illegale Tätigkeit sah Hans Faber das Betriebswerk der Reichsbahn in Mühldorf am Inn an. Dort hatte die KPD einige Mitglieder, welche den Nazis nicht bekannt waren. Hier wurde weitgehend auf offene RGO Arbeit verzichtet. Im Betriebswerk der Bahn in Mühldorf gaben sich die KPD Mitglieder in der Weimarer Republik nicht offen zu erkennen. Die Betriebszeitung „ Der Rote Eisenbahner“ wurde von außen, durch Ortsfremde in der halblegalen Zeit an den Betriebstoren verteilt. Ob der realistische Bericht in der KPD Führung positiv aufgenommen werden würde bezweifele Hans Faber. Immer noch träumte man vor der bevorstehenden Revolution und wollte die Niederlage der Arbeiterbewegung nicht wahrhaben. Mit diesem Bedenken im Kopf legte sich Hans Faber schließlich schlafen.

 

 

 

FBilder aus Burghausen

Bildergebnis für Burghausen KPD

Bildergebnis für Burghausen KPD

Bildergebnis für Burghausen KPD

Leseauszug „Verrat in München und Burghausen“

Leseauszug „Verrat in München und Burghausen“

Leseauszug aus meinem neuen Buch. Diesmal ein Kapitel über Widerstand und Verrat in Südostoberbayern, genauer in Burghausen, Altötting und Kraiburg am Inn. Der Textauszug ist noch ohne jegliches Lektorat. Die Personen haben bis auf den Romanhelden alle real existiert. Wer nicht auf den fast 400 Seiten starken Roman im Frühling 2018 warten will kann noch mein letztes Buch aus dem Jahr 2017 bestellen. „Oskar Quengels Auftrag –

Für Kippenberger bei General von Schleicher“

Auch passend für die Weihnachtsfeiertage. Sorry für die Eigenwerbung aber Autoren müssen auch leben. Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html Viele Grüße   Max Brym

 

Textauszug „Verrat in München und Burghausen“

 

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es in meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn im in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Ab 1935 arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

 

Burghausen

 

Am ersten Wochenende im Februar fuhr Faber in seine Geburtsstadt Burghausen an der Salzach. Lore fuhr mit ihm. Das ging etwas schnell, aber Lore wollte als Freundin und vielleicht kommende Braut vorgestellt werden. Faber dachte an seinen in solchen Fragen konservativen sozialdemokratischen Vater Georg Faber. Andererseits war Georg Faber ein alter „ Schwerenöter“. Die Mutter Lotte Faber hingegen himmelte ihren Sohn an und würde sicher nichts gegen die flotte und elegante Lore aus München haben. Auf der Zugfahrt über Mühldorf am Inn hatte Hans Faber jedoch völlig andere Gedanken. Die Nazidiktatur herrschte in Deutschland. Der Straßen -Terror in Deutschland verschärfte sich. Faber ging davon aus, dass die Nazis irgendeine Provokation ausheckten, um die Kommunisten und die gesamte Arbeiterbewegung brutalst zu unterdrücken. Immer wieder hatte er in München von seinen „Nazifreunden“ gehört „ es wird sich schon etwas finden“ oder konkreter „ wir werden schon einen Vorwand schaffen um die Kommune zu Brei zu schlagen“. So hatte sich gestern Abend wörtlich der kleine, dickliche und brutale SA Chef Ernst Röhm in seinem Stammlokal dem „Bratwurstglöckel“ in der Münchner Innenstadt ausgedrückt. Lore wurde sichtlich nervös als man sich mit dem Zug der Stadt Burghausen näherte. Eine solche Nervosität war Hans Faber von Lore nicht gewohnt. Offensichtlich wollte sie einen guten Eindruck bei den Eltern von Hans machen. Im Bahnhof erwarteten die Eltern den Zug aus dem ihr Sohn steigen würde. Der Vater Georg Faber war ein überzeugter aber nicht immer linientreuer Sozialdemokrat in Burghausen. Einerseits war er stolz auf seinen Akademikersohn andererseits konnte er ihm die Mitgliedschaft in der Nazipartei nicht verzeihen. Die Mutter Lotte interessierte sich auch für Politik, stand politisch links war aber in keiner Partei organisiert. Dann fuhr der Zug in den kleinen Bahnhof ein. Die Spannung wuchs welche Überraschung ihr Sohn wohl mitbringen würde. Den Eltern war klar, dass es sich um ein weibliches Wesen handeln würde. Die Begrüßung am Bahnhof war herzlich. Mit großen Augen sah Hans Fabers Mutter, die elegant gekleidete und dezent geschminkte Lore an. Georg Faber hingegen genoss es auch noch als Frührentner elegante Frauen zu betrachten. Zuhause angekommen in der Herzog Georg- Straße in der Altstadt von Burghausen war eingeheizt und Georg Faber spielte den Kavalier und half Lore aus der Mantel. Dies brachte ihm wie üblich den leicht vorwurfsvollen Blick der Mutter ein. Lore machte sofort auf Konversation, sie verstand sich sogleich mit dem Vater von Hans. Die Art von Lore, ihr Witz und Charme zog Georg Faber, immer mehr in Bann. Die Mutter Lotte hingegen war noch etwas skeptisch bezüglich des eleganten Fräuleins aus München. Nach einer Stunde neigte sich das Gespräch der Politik zu. Georg Faber meinte etwas anzüglich, „ der Herr Sohn wird sicher zufrieden sein, sein Führer ist Reichskanzler und er hat sich eine charmante Frau geangelt“. Hans Faber versuchte einer wirklichen politischen Debatte mit seinem Vater auszuweichen. Denn es ist eine ziemlich schwere Übung Dinge zu entgegnen von denen man selbst nicht überzeugt ist. Ganz im Gegenteil. Lore durchschaute der Spiel und meinte, „dass mit den Nazis ist ja noch nicht so sicher, vielleicht wird der Hitler auch abwirtschaften“. Georg Faber musste lachen. So ähnlich argumentierte seine Partei die SPD und auch die KPD war sich der Bedeutung des Sieges der Nazis und des ausbleibenden Arbeiterwiderstandes nicht bewusst. Die Debatte ging weiter. Lore wandte sich ziemlich deutlich gegen die Nazis und deren Führungspersonal. Lore sprach den Nazis jegliche Kultur ab. Das imponierte jetzt auch der Mutter von Hans, die dem modisch gekleideten Geschöpf aus München, solche Gedanken gar nicht zugetraut hatte. Hans Faber versuchte Lore von ihrer plötzlich einsetzenden politisiererei abzubringen. Das gelang nicht. Die Annäherung zwischen Mutter Faber und Lore war nicht mehr aufzuhalten. Georg Faber amüsierte sich und unterstellte Spaßhaft dem Sohn, sich eine Linke geangelt zu haben. Alle mussten lachen. Anschließend las Hans Faber noch etwas in der örtlich konservativen Zeitung dem „ Inn Boten“. Das gelesene gefiel Hans Faber. In der Zeitung stand, „am 31. Januar, einen Tag nach der Machtergreifung Hitlers marschierten Mitglieder der KPD in Altötting auf“, dazu wetterte die „Inn-Zeitung“ gegen ihren Anführer. Er habe „einstens ebenso fanatisch für Hitler geschworen“, wie er jetzt „für Moskau und den Bolschewismus“ arbeite, schrieb die Zeitung. Faber musste schmunzeln. In Altötting ist es also noch möglich gegen die Nazis zu demonstrieren in München nicht. Der Vater meinte noch zu seinem Sohn Hier möchten KPD-Anhänger in der Region noch eine sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat. In Burghausen diskutieren die Bolschewisten, dass man die Polizei entwaffnen und durch eine Hilfspolizei ersetzen könnte. „Also sei dir nicht zu sicher mit deinen Nazis.“ Faber dachte an seinen örtlichen Vertrauensmann vom Apparat Simon Vorburger,dieser lagert eigens dafür Waffen zuhause ein. Sein Motto: „Haben wir Hitler, haben wir Krieg”. Dann verschwand Hans Faber mit dem Hund Poldi zu einem Spaziergang auf die Burg hinauf. Bekanntlich hat Burghausen die längste Burg weltweit. Von der Altstadt aus, führt ein steiler Weg in den vorderen Bereich der Burg. Das war für Hans machbar. Er hatte noch in der elterlichen Wohnung Schnee und eistaugliche Schuhe gelagert. Nach dem kurzen Aufstieg ging Hans etwas zurück und nahm den Weg zum Burg See hinunter. Auf halber Strecke wartete auch schon eine Person mit der sich Hans Faber unbedingt treffen musste. Es war Hans Beimler, welcher gestern in Burghausen noch in einer Versammlung der KPD gesprochen hatte. Der Genosse Reichstagsabgeordnete war gut eingepackt, sowie für Außenstehende schwer zu erkennen. Der Treffpunkt war ideal gewählt, von oben her nicht einsehbar und nach unten hin konnte man sofort erkennen, ob sich irgendjemand näherte. Freundlich grüße Hans Beimler seinen Genossen vom Abwehrapparat. Faber schätzte Beimler als mutigen und zupackenden rhetorisch begabten Menschen. „ Na wie war die Versammlung im Glöckelhofer gestern“ fragte Faber. Beimler berichtete ihm von ehrlichen und kampfbereiten Arbeitern, besonders von der Wacker Chemie. Zwar war viel Polizei um den Gasthof herum und einige Nazibeobachter vor dem Eingang. Aber niemand versuchte die Versammlung zu sprengen. Beimler meinte dass auch viele „ einfache Sozialdemokraten“ dagewesen seihen. Offensichtlich hatten die örtlichen Nazis die Abreibung vom November 1932 noch nicht vergessen. Damals wurden die Nazis in und vor der Gaststätte von Sozialdemokraten und Kommunisten vermöbelt. Anschließend durch die halbe Burg geprügelt. Das war nach Beimler eine „ hervorragende Einheitsfrontaktion von unten“. Faber nickte und führte aus, aber jetzt müssen wir auch versuchen mit den Sozialdemokraten insgesamt ins Gespräch und zu Aktionen zu kommen. Etwas irritiert schaute Beimler Faber an. Faber bezog sich auf den Generalstreikaufruf der KPD. „ Ja“ meinte Beimler, Torgler versucht ja in Berlin mit der SPD Spitze zu verhandeln. Dann fügte Beimler hinzu wenn sie wieder ablehnen haben wir einen neuerlichen Beweis für die Richtigkeit des Sozialfaschismusthese. „ Das interessiert die Nazis aber nicht im geringsten ob wir richtig liegen mit unseren Thesen“ entgegnete Faber. Nach Meinung von Faber müsse auf jeden Fall etwas unternommen werden, denn die Nazis werden versuchen jegliche Form von Arbeiterbewegung radikal zu unterdrücken. Beimler welcher nachdachte versuchte an der Burg, das Gespräch in konkrete Fragestellungen umzuleiten. Über das was Beimler zur Vorbereitung auf die Illegalität sagte machte Faber wütend. Direkt sagte er: „ Hans ich kenn die Nazibande genau. Die werden brutal zuschlagen. Wir müssen uns kollektiv wehren. Selbst hier in Burghausen hat unsere KP geheime Waffenlager angelegt. Wenn wir abwarten geben wir ihnen Zeit, um ihren Schlag durchzuführen. Jetzt besteht noch die Chance, die sozialdemokratischen Arbeiter mitzureißen. Wir müssen kämpfen. Andernfalls holen sie zuerst uns und dann die Sozialdemokraten. Wie stellst du dir eigentlich hier in einem 6.000 Einwohnernest wie Burghausen die Illegalität vor? Jeder kennt hier jeden. Sie kennen nicht nur unsere örtliche Leitung unsere Stadträte, nein sogar jede Putzfrau die mit uns sympathisiert.“ Zwar waren einige KPD Arbeiter bei der Wacker-Chemie den Nazis unbekannt. Aber natürlich kannten sie den Leiter der KPD Ortsgruppe Burghausen, Heinrich Breu, sowie den Kassierer der Ortsgruppe Josef Burghart. Unbekannt dürfte ihnen hingegen, die Funktion des Portiers bei der Wacker Chemie Josef Huber und seiner Frau der Kellnerin Ursula Huber sein. Die Wacker Betriebskommunisten gaben sich meist nicht zu erkennen. Faber dachte auch an dem ihm bekannten Jungkommunisten Fritz Wimschneider aus Neuötting, sowie an den Genossen Griebel in Altötting. Faber wiederholte: „ Hans wir müssen kämpfen“ Beimler wurde ziemlich nachdenklich meinte dann aber, die Parole müsse von Berlin kommen. Hans Faber berichtete noch über die euphorische Stimmung der Nazis in München und machte Beimler ziemlich deutlich, dass eine Provokation wahrscheinlich vor den angesetzten Reichstagswahlen am 5. März bevorstünde. Fleißig machte sich Beimler Notizen. Der Abschied war herzlich. Faber wusste nicht ob er Beimler so schnell wiedersehen würde. Anschließend stieg Faber auf dem Weg zur Burg hinauf während Beimler nach unten ging. Am Wöhrsee unterhalb der Burg warteten auf Beimler, zwei Genossen, sowie sein Fahrer. Faber spürte die Kälte nicht. Er war deprimiert und dachte an die kommende, oder sich gerade festigende nazistische Diktatur. Bei den Eltern angekommen gab es den berühmten „ Milchspinat“ der Frau Mama und den dazugehörigen Knödeln. Schnell erkannte Hans Faber wie herzlich seine Mutter mit Lore umging. Auch Georg Faber konnte sich von dem Äußeren und der witzigen Art von Lore kaum lösen. Erst spät am Abend ging es ins Bett. Lore erzählte Hans, dass Mutter Lotte schon nach dem Heiratstermin gefragt hatte. Etwas kalt erwiderte Hans: „ Lore in solchen Zeiten heiratet man nicht.“ Anschließend fügte er etwas liebevoller hinzu, „wichtig ist doch, dass wir zusammen sind und zusammenhalten“. Friedlich schliefen die Beiden ein. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es auch schon wieder fort. Sie mussten nach Kraiburg am Inn. Das war eine kleine Marktgemeinde im Landkreis Mühldorf am Inn. Dort lebte Fabers Schwester Therese mit ihrem Mann Josef Schmidt. Letzterer war kein Bauer, aber er hatte viel mit den Bauern in der Gegend zu tun. Josef Schmidt verkaufte landwirtschaftliche Technik und leistete oftmals Reparaturarbeiten an den Maschinen und Traktoren. Politisch war Schmidt nach Meinung von Faber ein „ christlicher Hinterwäldler“ aber kein schlechter Mensch. Oftmals fragte er sich, wie seine von ihm sehr verehrte ältere Schwester, es mit diesem Betbruder aushielt. Aber das ging ihn nichts an. Außerdem war es für Faber von Vorteil, dass Schmidt kein sonderliches politisches Interesse hatte. Die Schwester hingegen war vom Elternhaus in Burghausen her, sozialistisch geprägt, was sie auch in dem Marktflecken beibehielt. Die Schwester von Hans Faber war die einzige in der Familie, welche über das Doppelspiel von Hans Bescheid wusste und es billigte. Therese war sehr verschwiegen. Auch Sie war neugierig welche Frau ihr Bruder aus München mitbrachte. Es war das erste mal, dass ihr etwas liederlicher Bruder mit einem Frauenzimmer auftauchte. „Ob es wohl ihren Bruder diesmal ernsthaft erwischt hatte“ fragte sich in Gedanken Therese. Am Bahnhof in Mühldorf wartete das Ehepaar Schmidt auf Hans, samt weiblicher Begleitung. Therese war eine hübsche kleine Frau, welche auf den ersten Blick so gar nicht in den Marktflecken Kraiburg passte. Im Gegensatz zur Frau, war Josef Schmidt fast zwei Meter groß mit einem breiten sympathischen Gesicht. Heiter sprang die 44 jährige Therese auf ihren Bruder am Bahnhof zu. Freundlich begrüßte sie auch, die wieder sehr auffällig geschminkte Lore. Josef Schmidt hingegen schüttelte dem Paar nur sehr zurückhaltend die Hand. Offensichtlich verwirrte ihn die blonde Lore. Vielleicht dachte er aber auch an sündhafte Verführungskünste, welchen der Schwager zu verfallen drohte. Dann ging es mit einem großen Automobil nach Kraiburg. Der Wagen kam mit Schnee und Eis gut zurecht. Josef Schmidt hatte das Gefährt mit Schneeketten ausgestattet. Schon während der Fahrt schnatterten die beiden Frauen fast ohne Pause. Die Konversation war herzlich und lustig. Auch Therese verfügte über viel Humor. Schmidt fuhr hingegen nur und erklärte, dass er sich auf Schnee und Eis konzentrieren müsse. Nach der mühsamen Fahrt über Guttenburg und Frauendorf kam man endlich in dem kleinen Ort an. Die Wohnung direkt am Marktplatz war warm eingeheizt. „ Mein Bruder will doch sicher einen Café “ sagte Therese. Anschließend machte Faber darauf aufmerksam, dass er Morgen Besuch von einem Klienten aus München erwarte welcher 2 bis 3 Tage bleiben würde, um sich zu erholen. „ Kein Problem“ antwortete Schmidt. Es kam ihm nur etwas seltsam vor, dass sich ausgerechnet im Februar jemand in Kraiburg entspannen wolle. Im Frühjahr und Sommer gibt es einige Urlauber denen die Alpenregion zu teuer ist, welche sich mit dem Kraiburger Schlossberg und Wanderungen im Inntal begnügen. Aber es störte ihn nicht. Der Bruder seiner Frau vermittelte immer wieder Gäste für die Fremdenzimmer der Schmidts in Kraiburg. Nur seltsam dass diese Gäste allesamt keine Nazis waren dachte Schmidt. Letzteres störte ihn nicht. Schmidt war treuer Wähler der Bayerischen Volkspartei (BVP) und regelmäßiger Kirchgänger. Die sozialistischen Neigungen seiner Frau waren ihm nicht unbekannt. Nur diskutierte er selten darüber. Er war halt ein wenig maulfaul. Therese und Lore quatschten fast ohne Unterbrechung. Immer wieder schoss es Therese durch den Kopf, ob die elegante Blondine wohl über die wirkliche Gesinnung ihres Bruders Bescheid wusste. Sie beschloss in bei passender Gelegenheit zu fragen.

 

Der Hund muss wieder raus

 

Am Nachmittag stellte Hans Faber fest: „Poldi muss raus- begleitest du mich Therese.“ Natürlich begleitete Sie ihn. Sie spazierten am Schlossberg entlang. Sie gingen eine kurze Streck den Waldweg nach Jettenbach, damit der Hund toben konnte. Lore blieb bei Josef Schmidt. Was diesem etwas zusetzte, denn wieder witterte er Sünde und Laster. Die Geschwister Faber beobachteten Poldi beim spielen und waren nachdenklich. Irgendwann fragte Therese, „ wie schätzt du die neue Situation mit Hitler als Reichskanzler ein“. Faber fing an ihr folgendes zu erklären: „ Therese wenn es nicht zum offenen Kampf kommt steht uns eine lange dunkle Nacht bevor. Die Nazis werden uns jagen. Hitler hat den Industriellen und den Junkern, die völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung versprochen. Der deutschen Bourgeoisie wurde dargelegt, ihre Kapitalverwertungskrise radikal zu beheben. Nach der Niederschlagung der Arbeiterbewegung wollen die Faschisten ein groß angelegtes Aufrüstungsprogramm auf Pump finanzieren. Letztendlich muss das zum Krieg führen. Wenn wir jetzt nicht kämpfen werden zig tausende Arbeiterfunktionäre einfach verschwinden. Die Bande setzt auf Folter und Mord. Eine kampflose Niederlage wird alles nur verschlimmern. Es wird dann zur Resignation von vielen kommen. Auch Renegaten und Verräter wird es geben. Dennoch müssen wir weitermachen aber alles streng illegal. Die These vom ununterbrochenen revolutionärem Aufschwung ist falsch. Wir sind in vielen Betrieben nicht mehr oder kaum mehr vorhanden. Wir müssen die Theorie vom Sozialfaschismus endgültig aufgeben. Den wirklichen Faschismus repräsentieren die Nazis. Wir benötigen sofort eine radikale Einheitsfrontpolitik. Thälmann hat jetzt in Berlin ein Einheitsfrontangebot gemacht. Aber in der SPD unterstützt das nur der Chefredakteur des – Vorwärts- der etwas realistische Friedrich Stampfer. In München hat sich auch die Reichstagsabgeordnete Toni Pfülf von der SPD für Kampfaktionen ausgesprochen. Meine fast Nachbarin aus der Türkenstrasse ist jedoch wie du weißt in den Funktionärskreisen der königlich bayerischen Sozialdemokratie ziemlich isoliert. Erhard Auer sitzt in den Kneipen rund um das Altheimer Eck in München und warnt in der „ Neuen Post“ vor übereilten Aktionen. Wenn wir jetzt nicht alles auf eine Karte setzen und versuchen loszuschlagen fahren wir eine historische und grausame Niederlage ein.“ Gespannt verfolgte Therese die Ausführungen ihres Bruders. Sie bedauerte in dem Nest Kraiburg festzuhängen. Denn hier ist man sehr desinformiert. Es dominieren die Königsanhänger, die Großbauern und die Nazis. Nur vereinzelt gibt es Kommunisten oder wirkliche Linke. Einige Kommunisten in der Marktgemeinde arbeiten als Tagelöhner bei den Großbauern, andere sind extrem ausgebeutete Heimarbeiter. Ihre kommunistischen Neigungen können sie nur in der Wahlkabine ausleben. Einige Brauereiarbeiter der Stolz Brauerei am Ort sind ebenfalls Kommunisten,aber nur im Geheimen. Der Marktflecken ist zu klein. Therese bezweifelte auch ob die wenigen Kommunisten am Ort über eine besondere Ideologie verfügen. Viele sind einfach nur radikal gegenüber dem System. Ihr Bruder war sehr erregt. „ Wir werden dein Gästezimmer ab jetzt dringlich benötigen“ meinte Hans Faber. Therese nickte. Dann fragte Sie etwas intensiver nach Lore. Hans erklärte ihr, dass ihn Lore liebte und Bescheid wüsste. Das erschreckte Therese sehr. Sie machte sich Sorgen um ihren Bruder. Lore kam ihr etwas leichtlebig und geschwätzig vor. Hans erriet ihre Gedanken. Es gelang ihm aber seine Schwester zu beruhigen. „ Lore liebt mich nicht nur sie ist auch eine ausgezeichnete Schauspielerin. Aus einem guten Instinkt heraus mag sie keine Nazis. Die Kerle sind ihr zu ungehobelt, zu brutal. Sie kann die Schnauze halten, sie sympathisiert mit uns allerdings ist sie ohne politische Ausbildung.“ Für die Ausbildung wird Hans schon sorgen, schoss es Therese durch den Kopf. Ohne Vorwarnung entgegnete Therese in ihrer direkten Art kurz vor der Wohnung am Marktplatz:„ Überschätz bitte nicht die Ausbildungskompetenz deines Schwanzes“. Hans musste lachen, so war sie seine 1888 geborene Schwester. Josef Schmidt und Lore begrüßten die beiden Heimkehrer freundlich. Lore hatte sich mit Josef Schmidt ziemlich gelangweilt. Letzteres viel Schmidt aber nicht auf. Gewonnen hatte Lore als sie sagte, dass sie Hans absolut treu sei. Der nur mit der Bibel aufgewachsene Schmidt war zufrieden. Zuerst hielt er Lore für eine typische Maria Magdalena, aber selbst der hatte Jesus ja verziehen. Er glaubte Lore fast alles und fand die Geschichten aus der Großstadt nun amüsant. Gegen Abend spazierten alle zum Unter Bräu. Der Herr Rechtsanwalt hatte sie alle eingeladen. Demonstrativ hatte sich Hans sein NSDAP Parteiabzeichen ans Jackett geheftet. So wollte er die Stimmung im Unter Bräu testen.

 

Fritz Schwaegerl im Unter Bräu

 

Der Unter Bräu war für die Verhältnisse in dem kleinen Nest ziemlich gut gefüllt. Eine nette rustikale Bedienung fragte den Herrn Rechtsanwalt was es denn sein dürfte. Hans Faber bestellte für alle den allseits bekannten Schweinebraten. Dann ging die Türe auf eine Abordnung örtlicher Nazis erschienen in der Gaststätte. Angeführt wurde die uniformierte Bande von dem jungen Kreisleiter der Nazi Partei Fritz Schwaegerl aus Mühldorf am Inn. In seinem Gefolge befanden sich dörfliche Kleinbürger, der Ortsgruppenleiter Diener, sowie der SA Führer Thalhammer. Fritz Schwaegerl bewegte sich sofort auf den bekannten“ Parteigenossen “aus München zu. Der junge Kreisleiter versuchte lässig zu wirken und hatte eine Zigarre im Maul. Ungefragt setzte sich die Nazibande an den Tisch, um mit dem geehrten Gast und seiner charmanten Begleitung zu quatschen. Immer wieder betonte Schwaegerl, wie wichtig es sei mit der „Kommune“ und der schwarzen Bande vor allen Dingen im Landkreis Altötting abzurechnen. Hans Faber stimmte zu und berichtete auch von der positiven Stimmung welche in München in der Partei herrscht. Etwas anzüglich versuchte der junge Kreisleiter mit Lore ins Gespräch zu kommen. Der Schuster Thalhammer stierte die junge hübsche Frau aus München lüsternd an. Es sprach aber nur der junge Nazibonze aus Mühldorf am Inn. Schwaegerl sagte direkt:“ Ich will den Kommunistenführer von hier Josef Wimmer bald hinter schwedischen Gardinen sehen was meinst du wie lange das noch dauert“. Faber antwortete ausweichend, er verwies auf die geniale Politik des Führers welcher solche Gestalten bald aus dem Verkehr ziehen würde. Zufrieden nickte der Kreisleiter samt Anhang. Dann kam das Gespräch noch auf den jüdischen Pferdehändler Siegfried Hellmann aus Mühldorf. Auch ihn wollte der zupackende Kreisleiter bald im Gefängnis haben. Was sind das nur für verdorbene Kleinbürger dachte Faber, dabei hatte er besonders die beiden Händler in Schuh und Elektro- im Visier. Nach einiger Zeit entfernte sich die Nazibande, dabei vergaßen sie jedoch nicht auf die „arische“ Schönheit Lores ausgiebig hinzuweisen. Nach dem Abzug der Bande kam endlich der Schweinebraten, der nicht mehr so gut schmeckte wie normalerweise. Josef Schmidt sagte den ganzen Abend über, fast kaum ein Wort. Gegen Abend meinte er nur in der Wohnung, “das sind keine guten Menschen, weil sie keine guten Katholiken sind“. Anschließend gingen alle schlafen. Am nächsten Tag erwartete Hans Faber seinen Besuch aus München. Aus dem Zug in Kraiburg stieg Wilhelm Olschewski, ein wichtiger Mitarbeiter Fabers im Abwehrapparat, zudem ein erfahrener Funktionär aus dem so genannten „ Aufbruchkreis“ welcher versuchte ehemalige Nationalisten, um den Kommunismus herum zu sammeln. Hans Faber holte Wilhelm Olschewski mit dem Auto seines Schwagers am Bahnhof ab. Die beiden Funktionäre des Abwehrapparates begrüßten sich herzlich. Wilhelm Olschewski bedauerte nur dass er in die bayerische Prärie kommen müsse, um mit Faber zu sprechen. Faber lachte, denn Olschewski wohnte gar nicht so weit weg von ihm in München. Olschewski lebte am Ende der Augustendstraße Haus Nr. 88.

 

Pläne am Schlossberg

 

Nachdem Faber, Olschewski bei Georg Schmidt als wichtigen erholungsbedürftigen älteren Klienten seiner Kanzlei mit dem Namen Maier vorstellte, marschierten sie auf den Schlossberg. Olschewski genoss nach dem für ihn etwas mühsamen Aufstieg, den wunderbaren Blick ins Inntal. Auf einer Bank neben der Kapelle am Schlossberg setzten sich die Freunde nieder. Immer wieder fragte Faber nach der Sicherheit der Waffenvorräte und danach wann es denn endlich losginge. Olschewski gab einen kurzen Überblick über die illegalen Waffenlager des „ Kampfbundes gegen den Faschismus“ in Oberbayern. Besonders stolz verwies Olschewski auf die Waffenvorräte in der Bergarbeiterstadt Penzberg, aber auch in Burghausen, Kolbermoor und in der Nähe von Rosenheim gab es größere gut getarnte Waffenlager. Etwas skeptisch äußerte sich Olschewski bezüglich der von Faber immer wieder eingeforderten Aktionen. Nach Olschewski müsse das Signal aus Berlin kommen. Faber widersprach dem nicht. Dennoch beharrte er auf die Vorbereitung des bewaffneten Widerstandes. Du bist doch kein Anhänger der „ Offensivtheorie von 1921“ meinte Olschewski etwas ironisch. „ Nein“ antwortete Faber „aber ich kenne die Faschisten. Je mehr wir ihnen Zeit geben um so fester können sie sich etablieren, um ihren Schlag gegen uns vorbereiten. Die sozialdemokratischen Arbeiter benötigen den bewaffneten Widerstand damit sie ihre Unterwerfung unter den Verrat der SPD und ADGB Spitze aufgeben. Natürlich ist es riskant aber wir verlieren alles wenn wir jetzt nicht kämpfen. “Olschewski überlegte und machte sich Notizen. Dann berichtete Faber über internes aus der Naziführung. „ Wilhelm die bereiten einen Schlag, eine Provokation vor. Röhm hat damit im Bratwurstglöckel ziemlich offen geprahlt. Sichert unsere Funktionäre sofort ab. Macht die Waffen klar. Es gibt nur den bewaffneten Widerstand jetzt sofort.“ Wieder lächelte der Altkommunist Olschewski. Er sah in Faber einen talentierten Genossen, einen exzellenten Doppelspieler, aber auch den feurigen Leutnant aus dem Weltkrieg. „Mach dir nicht zu viel Sorgen Faber, wir sind in Bayern ja an die Illegalität gewöhnt“ erklärte Olschewski. Faber explodierte fast. „ Wie kannst du nur die oft weitreichende Illegalität oder Halblegalität in Bayern mit dem vergleichen was uns bevorsteht. Himmler und ein gewisser Heydrich bereiten alles vor, um uns in Bayern zu vernichten. In Preußen bereitet sich Göring darauf vor. Schluss mit den Illusionen“. Olschewski lenkte ein und stieg mit dem sehr aufgebrachten Faber hinunter auf den Kraiburger Marktplatz.

 

Wieder in München

 

Der Februar zog sich hin. Die Wahlkämpfer der SPD und der KPD waren ständigen physischen Angriffen durch die Nazis ausgesetzt. Flugblattverteilungen, sowie das Kleben von Plakaten zur Reichstagswahl am 5. März, war besonders in München Schwabing für Kommunisten und Sozialdemokraten fast unmöglich. Selbst Anhänger der „ Bayerischen Volkspartei“ BVP wurden attackiert In Schwabing hatte die NSDAP die meisten Mitglieder in München. Viele Studenten an der LMU beschäftigten sich nicht mit dem Studium, sondern damit die dünn gesäten liberalen und linken Professoren am Reden zu hindern. Baldur von Schirach organisierte mit geradezu fanatischem Eifer, die Übergriffe der braunen Studenten. Täglich wurden jüdische Studenten an der Universität angegriffen. Faber setzte dieser Zustand enorm zu. Hoffnung bereitete ihm jedoch, dass sich in Giesing, Haidhausen im Westend sowie in Feldmoching, die SA auch jetzt noch viele blutige Nasen holte. Das rote München, die Arbeiterviertel widerstanden noch immer den Lockungen, sowie der Brutalität der Nazis. Vergeblich wartete Faber jedoch auf den Befehl, oder die Order gegen die Nazis massiven, ja sogar bewaffneten Widerstand zu leisten. Mit jedem Tag festigten die Nazis ihre Macht. Die SPD blieb streng legal und die KPD verbreitete Flugblätter. Das konnte nach der Meinung Fabers nur zur Katastrophe führen. An einem Tag erschien der kleine dickliche SA Führer Ernst Röhm in der Kanzlei Fabers. Faber dachte „ was will der Kerl von mir hat er etwa Probleme mit dem Finanzamt“? Aber Röhm kam sofort in seiner soldatischen Art zum Thema:“ Faber ich brauche eine gutaussehende Frau als Sekretärin in meinem Büro, Sie kennen ja die bösen Gerüchte um meine Person“. Röhm spielte auf seine allseits bekannte Homosexualität an. „ Wie kann ich ihnen dabei helfen Parteigenosse Röhm“ antwortete Faber. Im lauf des Gesprächs stellte sich heraus ,dass Röhm an die gutaussehende Lore dachte. Röhm forderte Faber auf ihm Lore abzutreten. Das gefiel Hans Faber ganz und gar nicht. Er verabschiedete den SA Führer welcher in seiner Autobiografie selbst schrieb, dass „ er ein schlechter Mensch sei welcher den Kampf liebe“ mit freundlichen Worten. Röhm meinte noch „man dürfe doch die Weiber nicht lange fragen oder Faber“. Röhm wollte eine schnelle Antwort. Nach dem Abgang des Landsknechts überlegte Faber intensiv. Es hätte immense Vorteile in der unmittelbaren Nähe des SA Führers eine Informantin zu haben. Aber kann er das Lore zumuten, darf er sie der Gefahr aussetzen und ist Lore überhaupt dieser Aufgabe gewachsen? Faber beschloss am Abend mit Lore in Ruhe darüber zu reden. Aber Lore hatte alles mitgehört, der SA Führer sprach sehr laut. Sie kam lächelnd in das Bürozimmer von Faber und sagte: „ Hans ich hab alles gehört. Wenn es dir nutzt arbeite ich bei dem widerlichen Kerl. Am Abend bekommst du von mir die neuesten Infos. Aber nur wenn hier meine Nachfolgerin eine unattraktive Schachtel wird. Ich kenne dich“ Faber schloss Lore in den Arm und küsste sie. „ Scheiße so müssen wir es leider machen Lore“ meinte Faber.

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Kraiburg am Inn

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Max Brym zu seinem Buch „Oskar Quengels Auftrag: Für Kippenberger bei General von Schleicher“

Entnommen aus https://www.klassegegenklasse.org/interview-mit-max-brym-ist-die-afd-faschistisch-oder-nicht-sie-ist-im-uebergang/ In München-Schwabing sprachen wir mit dem Publizisten und linken Aktivisten Max Brym über seinen Polit-Agenten-Thriller, antifaschistische Strategien gegen die historischen Nazis – und die heutigen.

Max Brym zu seinem Buch „Oskar Quengels Auftrag: Für Kippenberger bei General von Schleicher“

In deinem letzten Buch, „Oskar Quengels Auftrag“, geht es um einen jungen Kommunisten, der für die KPD der späten 1920er und 30er Jahre bei den Nazis spioniert. Was ist die Ausgangslage des Protagonisten?

Oskar Quengel befindet sich im „Abwehr“-Apparat der damaligen KPD. Er hatte die Aufgabe, feindliche Agenten zu finden und gleichzeitig selber Informationen zu sammeln und Zersetzungsarbeit zu leisten. Der Held hat den Auftrag, an der Spitze der Reichswehr, unter General von Schleicher, scheinbar für die Reichswehr die KPD auszuspionieren. Aber in Wirklichkeit informiert er die KP, was in der Reichswehr los ist, zum Teil auch in der damaligen Nazi-Führung.

Es geht dabei um mögliche Querfront-Strategien, um die Risiken des Faschismus für das Kapital, wie weit ihm zu trauen ist. Und der kommunistische Doppelagent kommt vor der Machtübernahme der Nazis zum Schluss, dass sich sämtliche Kapitalfraktionen auf Hitler verständigen. Weil die Verwertungskrise des Kapitals zu groß war. Man setzte auf die Karte Hitler, um die Verwertungskrise zu lösen, die Arbeiterbewegung vollständig zu zerschlagen und einen neuen Krieg vorzubereiten.

Ein Stichwort, das du genannt hast: Querfront. 1932 gab es einen Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben, der auch im Buch vorkommt. Die Faschist*innen haben ebenfalls zu diesem Streik aufgerufen. Über diese Episode gibt es bis heute eine taktische und strategische Auseinandersetzung…

Bis heute wird der Verkehrsbetriebe-Streik von Bürgerlichen benutzt, um den Kommunisten zu unterstellen, sie hätten mit den Nazis zusammengearbeitet. Das sehe ich nicht so und auch der Romanheld sieht es nicht so. Er geht davon aus, dass über 70 Prozent der Arbeiter bei den Berliner Verkehrsbetrieben für den Streik gestimmt haben. Und nachdem das passiert war, haben sich die Nazis an diesem Streik scheinbar beteiligt.

Die KP hat damals richtig entschieden, den Streik nicht abzubrechen, weil vorher die Nazis immer aktive Streikbrecher gewesen waren. Wenn man den Streik jetzt ihretwegen abgebrochen hätte, könnten sie mit dieser Taktik auf den Streikbruch verzichten.

Du schreibst ja auch darüber, wie sich die Faschist*innen gegenüber der Arbeiter*innenklasse verhalten. Der Romanheld beschreibt, wie er in den Arbeiter*innenvierteln Neuköllns nach der Machtübernahme viele Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern hängen sieht. Einige, meint er, waren aus Angst, andere aber auch „echt“. Du schilderst dazu im Roman:

Es hat einen politischen Einbruch der Nazis in die Arbeiterklasse gegeben. Dieser wurde erzwungen durch Terror sowie durch demagogische politische Versprechungen.

Es gab Ende 1932 um die sechs Millionen Arbeitslose in Deutschland. Die Nazis haben versprochen, jeden in Arbeit und Brot zu bringen. Dieses Versprechen haben sie mit einer Verzögerung ab 1935 eingehalten. Aber nicht aufgrund eines sozialpolitischen Programms, sondern aufgrund der Parole „Kanonen statt Butter“, also durch Hochrüstung. Da wurden viele Langzeitarbeitslose dann eingebunden, schlecht bezahlt, aber sie hatten einen Job – für den Krieg.

Schon vor ‘33 hat die NSDAP weitgehend aufgegeben, demagogisch in die roten Arbeiterviertel einzudringen. Es gab relativ geschlossene Viertel, den „roten Wedding“, das „rote Neukölln“, das „rote Ruhrgebiet“. Die Arbeiterbewegung war relativ stabil in der SPD und KPD. Ideologisch da hineinzukommen ist nicht gelungen. Was gelungen ist: die Arbeiterklasse zu desorientieren, sie passiv zu machen, nachdem man nach dem inszenierten Reichstagsbrand die ganze „mittlere Garnitur“ der KPD und SPD verhaftet und in die Lager gebracht hat. Damit war die Vorbereitung auf die Illegalität weg, wie der Roman zeigt.

Nach der Machtergreifung in Bayern am 9. März zum Beispiel hat man um die 3.000 Kommunisten in die SA-Folterkeller und das neuerrichtete Konzentrationslager Dachau gebracht. Es gab dann die noch Kampfbereiten an der Basis und eine Führung, die mit einem falschen theoretischen Konzept in der Luft hing.

Kommen wir zur Gegenseite der Nazis. Wie haben die Organisationen der Arbeiter*innenklasse gegen den Faschismus gekämpft? Der Großteil der Handlung spielt in der Zeit der „Dritten Periode“, in der es die „Sozialfaschismusthese“ gab. Über die Politik der stalinisierten KP von 1930 sagt Oskar Quengel:

Eigentlich wäre es doch vernünftig, mit den Sozis zusammen Abwehrbündnisse gegen die Nazis zu schließen, schoss es mir damals durch den Kopf. Aber für uns waren sie ja Sozialfaschisten. Auf der anderen Seite schloss auch die sozialdemokratische Seite jedes Abkommen mit uns aus. Dabei waren die Plakatkleber der KPD und SPD gleichermaßen von den SA-Schlägern und -Mördern bedroht.

Das schildert doch sehr plastisch die Tragödie, in die die beiden großen Organisationen unsere Klasse brachten. Welche politische Bedeutung hat diese Phase deiner Ansicht nach?

Die damalige KP war durch die Führung Stalins und die Stalinisierung der Kommunistischen Internationale absolut unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Sie gingen ab 1928 davon aus, dass es aufgrund der eintretenden kapitalistischen Krise zu einem ununterbrochenen revolutionären Aufschwung kommt. Und der Hauptgegner war die Sozialdemokratie, dem man das Attribut „sozialfaschistisch“ anheftete.

Die KP-Politik vor ‘33 war in Bezug auf den Faschismus mehr als irre: Es gab Zentrumsfaschisten, Sozialfaschisten, Hugenberg-Faschisten, Hitler-Faschisten, es gab sogar Trotzki-Faschisten und Brandler-Faschisten. Und da bekommst du natürlich ein Problem. Wenn es nur noch Faschismen gibt, siehst du am Schluss vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Also der eigentliche Faschismus wird nicht mehr erkannt und du führst auch keine Einheitsfront mehr durch.

Die KPD-Führung hat damals gesagt: „Einheitsfront nur von unten.“ Das war ein Ultimatismus. Nicht das Angebot auf Verständigung zu gemeinsamem Aktionen gegen den Faschismus, sondern: Ihr Sozialdemokraten habt euch uns zu unterwerfen! So funktioniert keine Einheitsfront-Politik. Das war ein klarer Bruch zu den Beschlüssen der Kommunistischen Internationale auf ihren ersten vier Weltkongressen.

Es gab ja, dazu kommst du ganz am Ende des Buchs, einen großen Schwenk der Komintern, so lange es sie noch gab: die Volksfront, die Zusammenarbeit mit „progressiven“ Teilen der Bourgeoisie. Wieso auf einmal das scheinbare „Gegenteil“ der Sozialfaschismusthese, wo man nicht einmal mit Arbeiter*innenorganisationen zusammen gegen den Faschismus arbeiten wollte?

Die stalinistische Politik war in Russland wie international geprägt von einem empirischen Zickzackkurs. Heute war das eine richtig, morgen das genaue Gegenteil. Erst wollte man nicht einmal mit anderen Arbeiterorganisationen zusammen Aktionen machen. Ab 1935 machte sich dann eine von Stalin geförderte Strömung bemerkbar, die ein Bündnis mit angeblich fortschrittlichen Teilen der bürgerlichen Klasse forderte.

Das beruhte auf der Faschismus-Definition von Georgi Dimitroff auf dem siebten Weltkongress der Komintern: „Der Faschismus ist die offen terroristische Diktatur der reaktionärsten, imperialistischsten und chauvinistischsten Elemente des Finanzkapitals.“ Aus so einer Definition leitet sich sofort ab, dass es daneben auch einen fortschrittlichen Teil der Bourgeoisie gibt. Das Bündnisangebot auf diesen angeblichen Teil war auf eine längere Periode ausgelegt. Damit schloss es in Frankreich oder Spanien die Möglichkeit auf eine wirklich sozialistische Revolution aus.

Die KPD hat also unter Stalin zwei entscheidende Verbrechen begangen. Sie hat aufgrund der Sozialfaschismusthese den Faschismus in Deutschland unter anderem möglich gemacht. Und sie hat mit der Volksfront sozialistische Möglichkeiten in Frankreich und Spanien verspielt, was wiederum dem Faschismus nutzte.

Ein rotes Spanien 1936 hätte das Kräfteverhältnis in Europa geändert, aber da war man plötzlich Verteidiger des Privateigentums. Die spanischen Bauern hatten kein großes Interesse dafür zu kämpfen. Sie wollten den Boden der Großgrundbesitzer, der wiederum aber war ja vielleicht ein „antifaschistischer“ Bündnispartner. Auch die Arbeiter, speziell in Barcelona, gingen dazu über, die Betriebe unter eigene Regie zu stellen. Die Komintern sagte: Nein, das geht nicht. Wir haben eine Etappe festgelegt. Wir haben dieses Bündnis mit dem Bürgertum, ergo gebt die Fabriken an die Kapitalisten zurück, beschlagnahmt ja kein Land. Das hat sozial den Vormarsch des Faschismus erleichtert.

Die Krux ist, das versuche ich anhand des Romans zu zeigen, dass die stalinistische Politik immer statisch ist, Etappen einhält. Einmal gibt es nur einen revolutionären Aufschwung. Dann gibt es nur noch ein Defensivbündnis, sogar mit der Bourgeoisie.

Wir erleben zurzeit in Europa den Aufschwung rechter Bewegungen und Parteien. Du hast vorhin die Dimitroff-Definition kritisiert. Wie würdest du heutige rechte Gruppierungen wie die AfD oder Pegida charakterisieren?

Ich habe das Buch unter anderem geschrieben, weil ich etwas gegen die „Gegenwartsfanatiker“ habe. Leute, die Erfahrung – und Geschichte ist geronnene Erfahrung – ignorieren. Eine faschistische Bewegung zeichnet sich damals wie heute dadurch aus, dass sie die Arbeiterbewegung radikal attackiert, zum Straßenterror übergeht, dass es für Linke überall brandgefährlich wird. Es gibt heute in Europa natürlich faschistische Bewegungen.

Mir gefällt der Begriff „rechtspopulistisch“ für Parteien wie die AfD nicht, der das „Populäre“ kritisiert. Populär will ich selber sein! Nennen wir sie rassistisch. Sie ist im Übergang zum Faschismus, es ist aber noch unklar, welcher Flügel sich wirklich durchsetzt. Eine Figur wie Björn Höcke (AfD) setzt auf Straßenmobilisierungen, das sagt er auch selber. Sein enger Bündnispartner im Parteivorstand ist Gauland. Es gibt aber auch eine neoliberale, durchaus rassistische aber nicht faschistische Clique um Alice Weidel, oder schwankende Figuren wie Meuthen.

Ist die AfD faschistisch oder nicht? Sie ist im Übergang. Sie jetzt schon als faschistisch zu kennzeichnen, würde bedeuten davon auszugehen, dass überall dort, wo sie stark ist, bereits massiver Terror gegen Linke und Andersdenkende stattfindet. Jetzt gerade testet die AfD aber erst vieles aus. Im Westen gibt es einige, die ein Hugenberg-Konzept haben – aber auch klare Straßenfaschisten, die sich zu Hitler bekennen und Demagogen wie Jürgen Elsässer oder Pegida, die faschistisch sind.

Hier in München fand vom 3. zum 5. Mai der Antifa Kongress Bayern statt, gegen den Widerstand von „Gewerkschaft“ der Polizei (GdP) und DGB-Bundesvorstand im Münchner Gewerkschaftshaus. Dafür hatten sich viele Gewerkschafter*innen und Linke in München eingesetzt.

Vor dem Kongress gab es eine Dauerkundgebung, weil Rechte – Pegida und AfD – ihrerseits Kundgebungen dagegen angemeldet hatten. Von Pegida München kam es zu Terrordrohungen gegen Gewerkschafter*innen und Linke mit Anspielungen auf den NSU und das Oktoberfestattentat…

Das war offen faschistisch. Davon wird sich die AfD auf Dauer nicht distanzieren können. Formal waren die Kundgebungen von AfD und der faschistischen Pegida München getrennt. Aber dadurch, dass man gemeinsam in der gleichen Straße gegen die gleichen Linken und Gewerkschafter*innen demonstrierte, zeigte sich diese enge Verbindung zwischen den beiden Fraktionen.

Eine Prognose: Gauland und Höcke werden sich in der AfD durchsetzen. Dann kann man von einer faschistischen Partei sprechen.

Es gibt verschiedene Vorschläge, wie man mit der AfD „umgehen“ soll. Manche wollen mit ihr reden und nur aufklären. Andere wollen ein Bündnis der „87 Prozent Demokrat*innen“ gegen die AfD, eine Volksfront also. Wieder andere wollen ganz auf sich allein gestellt gegen die AfD kämpfen, in Stellvertretung und ohne die organisierte Arbeiter*innenklasse.

Ich halte es für keine gute Idee, unter dem Motto „München ist bunt“ Flugblätter zu machen, in denen möglichst wenig drin steht, aber dafür dann alle Parteien und Grüppchen drauf sind, von CSU bis DKP. Dann entsteht folgender Effekt: Die Demagogie der Rechten „funktioniert“ insofern, als dass die AfD die einzigen „Alternativen“ zum Establishment sind. Mit Leuten wie Söder Einheit gegen Rechts zu machen, heißt die Verbindung zu sozialen Kämpfen zu negieren.

Auf der anderen Seite lehne ich eine ultralinke Politik ab, wie ich sie in bestimmten Kaffeehäusern habe. Da gibt es eine bestimmte Gruppenidentität, die sich durch möglichst unverständlichen Ausdruck und eine einheitliche Kleidung auszeichnet. Diese Leute lehnen jegliche Einheitsfront-Politik mit anderen Linken ab.

Man muss das demokratische Spektrum, das sich noch irgendwie auf die Arbeiterbewegung stützt, zusammenbringen. Wann wird wo blockiert, wann schlagen wir wo wie gemeinsam gegen die Nazis zu, dazu brauchen wir eine Einheit. Gleichzeitig braucht es Agitationsfreiheit der verschiedenen Gruppen, ohne dass das als Bruch vom Bündnis interpretiert wird. Die Diskussion verschiedener Strategien ist notwendig und läuft der Einheitsfront nicht zuwider.

Danke für deine Einschätzungen! Was wird dein nächstes Buch?

Das nächste Buch spielt 1933 bis 1938 in Bayern, wieder ein Polit-Agenten-Thriller: „Verrat in München und Burghausen“. Es geht um Verrat innerhalb der KPD Südbayern. Und die Gruppe „Neu beginnen“ wird eine Rolle spielen.

Max Brym (2017): Oskar Quengels Auftrag: Für Kippenberger bei General von Schleicher. Erhältlich bei bookra. 149 Seiten.

„Verrat in München und Burghausen“

Neuer Roman in Arbeit -Leseauszug „1933 bis 1945 -Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es in meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn im in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „ Theo“ aus Giesing Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. . Ab 1935 arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

 

 

Januarkälte

 

Wir schreiben den 15. Januar 1933. Hans Faber liegt im Bett und schaut sich nochmal die attraktive Frau neben ihm im Bett an. Er denkt sich was bin ich nur für ein seltsamer Charakter. Nicht einmal meiner Geliebten Lore darf ich sagen wer ich wirklich bin. Sie denkt sie hat sich einen renommierten Steuerfachanwalt aus der Barerstrasse in München geangelt. Lore ist naiv und verliebt. Zum Glück ist sie keine überzeugte Nazistin. Aber es stört sie nicht, dass ich offiziell ein angesehenes Mitglied der NSDAP bin. Leider ist sie die zugezogene Frau aus Rosenheim nur an Mode und an mir interessiert. Sie arbeitet   in meiner Kanzlei in der Barerstr. 70 als zuverlässige und attraktive Sekretärin. Meine wirkliche Gesinnung und meine Funktion im „Abwehr Apparat der KPD“ muss ich vor ihr geheim halten. Wir leben in gefährlichen Zeiten. Lore hat zufiele plappernde Freundinnen in der Maxvorstadt Die Gegend ist voller Nazis. Um die Ecke wird das Drecksblatt „ Völkischer Beobachter“ gedruckt. Laufend treffe ich Figuren wie Alfred Rosenberg, oder gar meinen Anwaltskollegen Hans Frank. Der Vegetarier Hitler hat sein Lieblingslokal die „ Osteria“ an der Ecke Schellingstr- Schraudolphstr. Die meisten der Herren sind momentan allerdings nicht da. Sie verhandeln mit der Schwerindustrie und den Junkern. Sie trafen sich am 5. Januar im Haus des Bankiers Schröder, im Rheinland, mit der Figur von Papen, welcher weiter, obwohl er nicht mehr Kanzler ist im Palais des Reichspräsidenten wohnt. Sie hoffen den General von Schleicher zu stürzen. Gestern teilte mir der dicke und kleine SA Führer Röhm auf offener Straße mit, „dass sie bald an der Macht sind“. Mein Verbindungsmann zu Leo Roth (Victor) dem Sekretär von Hans Kippenberger Chef unseres KP Abwehr Apparates ließ ich das gestern Abend mitteilen. Es bleibt zu hoffen dass diesmal nicht der ultralinke Optimismus siegt sondern unmittelbar der aktive Widerstand gegen die Nazis zusammen mit kampfbereiten sozialdemokratischen Arbeitern vorbereitet wird. Hans Faber ist und bleibe ein Anhänger der Einheitsfrontpolitik von unten und von oben. Er denkt, wir dürfen die Nazis nicht an die Macht lassen oder gar zusehen wie sie ihre Macht konsolidieren. Langsam wird Lore wach und küsst ihren geliebten Hans.“

 

Leseauszug- Das Buch ist in Arbeit und wird in drei bis vier Monaten fertig sein. Verlagsangebote liegen vor. Wer mir beim Lektorat helfen will kann und soll das tun. Auch andere Verlage dürfen sich für das Buch interessieren. Nebenbei bemerkt. Über Bestellungen meines letzten Buches- Oskar Quengels Auftrag- Für Kippenberger bei General von Schleicher“ würde ich mich sehr freuen. Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html 

Foto Max Brym

 

 

Buchbesprechung „Oskar Quengels Auftrag- Für Kippenberger bei General von Schleicher“

Vor einer Woche noch auf die Schnelle im Laden erstanden und über das verlängerte Wochenende hindurch fertig gelesen. Schon Max Bryms Altötting-Buch hatte ich nach einer Woche Ferien komplett durch und jetzt bei „Oskar Quengels Auftrag“ ging es sogar noch schneller. Max Brym versteht wirklich so zu schreiben, dass es einen packt und man am Ball bleibt und dass obwohl seine Bücher komplexe historische Sachverhalte und ernste politische Fragestellungen behandeln.

Dieses Mal – bei Oskar Quengel – ging es um die Spionage des rechten Generals von Schleicher gegen die Kommunistische Partei; Schleicher wollte sie als Organsitation infiltrieren, um Sicherheit zu haben, dass sie sein Projekt einer sogenannten Querfront von den patriotischen Gewerkschaften bis zum Strasser-Flügel der Nazis nicht störte, doch hatte die KPD – was ich nicht wusste – einen Abwehrapparat, der Schleichers Versuch geschehen ließ, um auf diesem Weg etwas über Machenschaften Schleichers herauszukriegen – sozusagen Gegenspionage.
Quengel, über den diese Sache im Roman dann lief, hat es real wohl nicht gegeben, doch alles andere scheint zu stimmen und vieles ist sogar ziemlich aktuell: aktuell wollen einem Querfrontanhänger auf Friedensdemos und im Netz weiß machen, der Unterschied zwischen rechts links habe sich erledigt, weil Deutschland eine Kolonie der USA sei; ein solches Gerede stimmt heute nicht (denn deutsche Autokonzerne sind unleugbar international aktiv und die deutsche Regierung tut alles um ihre Profite zu sichern und den Reichtum ihrer Aktionärer zu erhöhen) und war gestern schon falsch, als Schleicher Sozialisten dazu überrreden wollte für ein paar Brotkrumen und für Deutschlands Ehre soziale Kämpfe abzublasen. Er hatte damals wohl die (paradoxe) Vision eines neuen Ständestaats, doch eine Weile wurde er dabei von der Chemieindustrie unterstützt, dessen Interessen dieses Gebäude dienen sollte und auf deren Unterstützung er wohl eine Weile tatsächlich bauen konnte. Solche komplexen Zusammenhänge kommen in Bryms Roman gut heraus, ohne dass es man das Gefühl bekommt, hier habe jemand einen Roman geschrieben, wo er eigentlich eine wissenschaftliche Abhandlung hätte schreiben sollen.
Ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass Brym nicht in diese Falle tritt und ich glaube mittlerweile, es liegt an der besonderen Form des Romans: er kommt daher als eine Sammlung von Briefen Quengels an seinen Vater kurz vor seinem Selbstmord, nachdem alles, wovon der Roman handelt, hinter ihm liegt: dadurch kann Brym Quengel glaubhaft von abenteuerlichen Agententätigkeiten berichten lassen und ihm im nächste Brief historisches Faktenwissen in den Mund legen – beides erklärt sich dann aus der glaubwürdigen Handlungskonstruktion, dass hier jemand versucht sich am Ende seines Lebens einer anderen Person, die ihn lange nicht gesehen hat, noch einmal „ganz“ mitzuteilen.
Was ich am Roman darüberhinaus noch so gelungen finde, ist die Zeichnung der Figuren. Vielleicht sind es Karrikaturen, aber mir gefallen sie gerade deswegen; Egal ob man über sie schallend lacht, nur etwas lächelt oder sich eckelt – in jedem Fall ist nicht gewollt, dass man sich mit ihnen identifiziert. Für mich sind das eher Personenypen, die bestimmte gesellschaftliche und politische Positionen der Zeit zum Ausdruck bringen sollen, damit die Gegensätze dieser Zeit noch besser greifbar werden.
Bei der Hauptfigur Oskar Quengel ist das anders. Er war ein von Widersprüchen und Loyalitätskonflikten zerissener Mann; im Lauf der Handlung hat er miterleben müssen, wie Freunde, Kommunisten mit Verstand und Herz, zum Wohle des nächsten und übernächsten Kurswechsel der Partei von den eigenen Leuten ausgegrenzt und verfolgt wurden – und er soll dem Abwehrapparat der Partei die Treue halten?!
Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er, dessen Sympathie mit den Revolutionären der Arbeiterbewegung deutlich hervorkommt, sich dennoch auch solchen Abgründen kommunistischer Geschichte stellt. Das geschieht hier, wie auch sonst im Roman, auf plastische Art und Weise und eingebettet in den historischen Kontext und mit auch mit Blick für Aspekte in diese Geschichte, anhand derer man erkennt, dass auch diese Sache anders hätte laufen können.

Oskar Quengels Auftrag: Für Kippenberger bei General von Schleicher
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Zur Geschichte der KPD Rezension zum Buch von Max Brym

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wurde schon Anfang der dreißiger Jahre zum ersten Opfer der Nazis. Viele revolutionäre Arbeiter wurden von der SA verfolgt, terrorisiert, gefoltert und ermordet, tausende Verhaftungen folgten nach der Machtergreifung Hitlers. Nachdem in der Weimarer Republik ein Präsidialkabinett unter Brüning, sowie später unter von Papen und von Schleicher errichtet wurde, löste dieser Prozess bei der KPD zu Recht Sorgen einer zunehmenden, teils schon sehr fortgeschrittenen Faschisierung aus. Fehler muss die KPD sich aber dann anrechnen lassen, als der wirkliche Faschismus kam und sie ihre Politik zunächst unbeirrt fortsetzte und damit den Nazis ins offene Messer rannte. Einer dieser Fehler war auch die Sozialfaschismusthese, welche teilweise noch bis ins Jahr 1935 bei der KPD Bestand hatte und unbestritten eine Auswirkung auf die Lähmung der Arbeiterbewegung erzielte. Man verstand schon, dass die Faschisten die physische Vernichtung der linken Arbeiterbewegung anstrebten, wollte aber dennoch keine großen Unterschiede zum sogenannten „Sozialfaschismus“ sehen. Ungeachtet dessen gab es innerhalb der KPD verschiedene Strömungen, welche Max Brym in seinem neuen Buch „Oskar Quengels Auftrag: Für Kippenberger bei General von Schleicher“ (ISBN: 978-3943150179) auch eindrucksvoll darstellt. Das Buch stellt das Ende der Weimarer Republik und den Beginn des Faschismus aus einer sehr interessanten und teils neuen Perspektive dar. Oskar Quengels berichtet in Form von Briefen an seinen Vater von seiner Funktion als Doppelagent, wobei er für den KPD-Funktionär Kippenberger eine Zeit lang im Reichswehrministerium unter General von Schleicher arbeitete, um diesem wiederum teils wahre, halbwahre und falsche Informationen über die KPD und ihre wichtigsten Funktionäre zu liefern. Die Briefe wurden vor nicht allzu langer Zeit in einem Haus in der Kirchgasse in Berlin auf einem Dachboden gefunden und gelangten nun in die Hände des Buchautors Max Brym. Nach von Schleicher ergriff Hitler die Macht und Oskar Quengel arbeitete weiter für den Nachrichtendienst der KPD, indem er u.a. Verbindungen in die oberste SA- Führung hatte. Quengel stand dabei politisch gesehen stets auf der linken Seite und war überzeugt, durch seine Tätigkeit als Doppelagent der Weltrevolution wichtige Dienste zu erweisen. Doch sein Ansehen innerhalb der KPD änderte sich. Das politische Leben von Oskar Quengel endete im Selbstmord. Historisch sehr brisant und spannend geschrieben, ist die ganze Geschichte in dem Buch von Max Brym nachzulesen. Es ist auch das Aufleben von historisch bekannten, aber auch mir bislang unbekannten Personen, die das Buch so einzigartig machen. Den fairen Umgang im Buch mit „Teddy“ Ernst Thälmann rechne ich dem Autor hoch an. Ein weiteres wichtiges Thema, welches man herauslesen kann, ist die Frage der Querfrontkonzeption, die in Kreisen von sog. Linken noch heute vorkommt. Am Ende ist es aber General von Schleicher gewesen, der mit seiner Querfrontkonzeption der betrogene Betrüger war. Rezension von Ricky Burzlaff Leipzig

 

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